Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- A. B., Altona
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 691 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 691 sich folgende Anzeige: „Zu sofort suche noch jüngeren Herrn (Christ) für II. Rezeptur und Handverkauf, da engag. Herr nicht eintreten kann. Hamburg 13, Schar ff, Verwalter." Da die von Herrn Scharff für den erkrankten Eigentümer verwaltete „Rosen- Apotheke* am Schlump zumeist von jüdischer Kundschaft frequentiert wird, berührt es eigentümlich, daß der Verwalter für die Rezeptur und den Handverkauf nur einen Christen engagieren zu dürfen glaubt. Daß er den Wert der jüdischen Kundschaft nicht unterschätzt, beweist er dadurch, daß er auch in jüdischen Blättern annonciert; er sollte aber dann auch diese Kundschaft durch die Ausschließung jüdischer Bewerber um Vakanzen in feiner Apotheke nicht beleidigen. O. 9L, Kiel. In dem in Hamburg erscheinenden antisemitischen „Deutschen Blatt" vom 1. Oktober d. I. wurde unter der Ueberschrift „Juden und Anarchisten" Nachstehendes berichtet: „Das Landesgericht in Lemberg hat die Weiterverbrcitung der folgenden, in jüdischer Sprache verfaßten Broschüren verboten und zwar: 1. „Anarchie vor Gericht." 2. „Die anarchistische Gesellfchaft." 3. „Gedanken von Revolution." 4. ,Die religiöse Pest" von Johann Most. 5. „Das wahre Ziel des Anarchismus." 6. ^Die neue Thora." (Dieses „Werk" wurde konfisziert von den Worten: „Es lebe" bis zu dem Worte „Revolution".) 7. „Wie kommt ein Jude zum Sozialismus?" Wie man sieht, ein ganzes Sammelsurium von revolutionären und anarchistischen Schriften. Und alle sind in jüdischer Sprache geschrieben, also ausschließlich für Juden berechnet gewesen! Für die Naturgeschichte des Anarchismus wie der Juden gleich bezeichnend!" —- Von befreundeter Seite sind sämtliche Konfiskations-Erkenntnisse nicht nur des Lemberger Landesgerichtes, sondern auch aller österreichischen Gerichtshöfe erster Instanz des Jahres 1904 durchgesehen worden; die Beschlagnahme der oben namentlich aufgcführten Broschüren war nirgends verzeichnet. Das ist allerdings für die Naturgeschichte der wahrheitsliebenden antisemitischen Presse bezeichnend! L. S., Leipzig. Seitdem die „Deutsch - Sozialen Blatter" mit dem Hamburger „Deutschen Blatt" verbunden sind, ist dieses deutsch-soziale Organ so von „Antisemiten-Koller" und der „Anglophobie" ergriffen, daß nach seiner Ansicht an allem Unglück in der Welt die „Juden und die Engländer" schuld find. In einem am 15. November veröffentlichten Artikel sagt es wörtlich von den deutschen südwestasrikanischen Kolonien: „Das Verschleudern des Bodens an die (vorwiegend englischen!!) Landgesellschasten war zweifellos der größte Fehler, den unsere Kolonialpolitik beging. Er