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Im deutschen Reich · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. 689

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
[Ohne Titel]
Date
1904-12-01
Page
689 (sequence 6)
Language
German
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Briefkasten der^Redaktion. 689 in unfern Januarheft veröffentlicht werden. Der Erfolg dieser ersten Central-Vereins-Versammlung in Bayern war ein so erfreulicher, daß sich die Veranstaltung ähnlicher Versammlungen in anderen Städten Bayerns mit Zuversicht erhoffen läßt. In dem Augustheft des vorigen Jahrgangs (S. 494) haben wir berichtet, daß uns ein Münchener Vereinsmitglied ein Verzeichnis von Karlsbader Antisemiten sandte, welches wir .ohne Gewähr für die Zuverlässigkeit der Angaben" mit der Aufforderung abgedruckt haben, „weitere Recherchen anzustellen". In der erwähnten Liste waren mehrere antisemitische Karlsbader Stadträte aufgeführt, darunter auch der Besitzer des „Hauses Schubert", Herr Advokat vr. Felir Knoll in Karlsbad, Villa Lützow. In einem vom 11. v. Mts. datierten Schreiben hat uns aber Herr vr. Knoll mitgeteilt, daß er seit drei Jahren allem politischen und Dereinsleben vollständig fern stehe, sich ausschließlich mit Berufs- und künstlerischen Arbeiten beschäftige und daß ihm jetzt jede Politik, besonders aber eine solche kleinlichen Schlages in allen Erscheinungsformen innerlich fremd und unerquicklich sei. Es sei deshalb nicht nur sein Wunsch, sondern auch der in seinem „Hause Schubert" vorhandenen Kurgäste, daß dieses Haus aus der Liste der antisemitischen Kurhäuser gestrichen werde. Wir erfüllen diesen Wunsch, da uns auch von jüdischer Seite die Angaben des Herrn vr. Knoll vollinhaltlich bestätigt worden sind. ei* Briefkasten der Redaktion. N. K., Berlin. Das „Deutsche Blatt" bespricht in einer Notiz mit der Ueberschrift „Wer und wie man Literaturgeschichte macht" die durch Herrn Alfred Gold im „Berl. Tageblatt" veranlaßte Maßregelung eines hiesigen jugendlichen Kritikers und bemerkt dazu: „Daß sich die Juden in unserer Literatur schon bekämpfen als zärtliche Verwandte, statt zusammenzuhalten, beweist, wie sicher sie sich fühlen." Den Anttsemiten vom Schlage Raabs können es die Juden nie recht machen; halten die Juden zusammen, dann wird geschimpft; bekämpfen sie einander, dann wird gehöhnt. Wir Juden sind nicht so kühn wie Wilhelm Bruhn, der sich kürzlich mit Friedrich dem Großen verglich, sonst würden auch wir sagen: „Und mit solchem Gelichter müffen wir uns herumschlagen!!"

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