Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Meiningen
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 681 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 681 co Meiningen, 1. Dezember. Im „Regierungsblatt" für das Herzogtum Meiningen wird in der Nummer vom 25. November ein Verzeichnis der Märkte im ganzen Herzogtum für das Jahr 1906 vom Herzogl. Staatsministerium, Abteilung des Innern, veröffentlicht mit der Aufforderung, Anträge auf Verlegung einzelner Märkte „gehörig begründet" bei den Landratsämtern einzureichen. Damit nun kein Markt auf einen jüdischen Feiertag falle, fügt die oben genannte amtliche Stelle außer den christlichen Festtagen auch gleich ein Verzeichnis der „israelitischen Feiertage" für 1906 bei. — Mit Unrecht ist dies von antisemitischer Seite als eine „zarte Rücksicht" gegen die Juden bezeichnet worden. Das ist es nicht, sondern eine einfache Verhütung ernster Schädigungen des Marktwesens, bei dem Juden als Produzenten und Konsumenten seit Jahrhunderten eine so wichtige Rolle spielen, daß man in früheren Zeiten, wo die Juden noch gar nicht gleichberechtigt waren, es sogar vermied, Märkte auf den Sonnabend zu verlegen. Den Antisemiten sind offenbar Schädigungen der allgemeinen Wohlfahrt gleichgiltig, wenn nur ihrem Judenhaß Rechnung getragen wird. <$ Goslar, 1. Dezember. Wie aus einem „Eingesandt" der „Goslarschen Zeitung" vom 19. November hervorgeht, ist es in einer Gemeindeversammlung des im Sommer auch von Juden vielfach besuchten Harz-Kurortes Hahnenklee kürzlich zu heftigen Auseinandersetzungen darüber gekommen, daß, wie der Besitzer des Kurhauses, Lins, der Kurkommission vorwarf, diese schriftliche Anfragen ohne weiteres in den Papierkorb geworfen habe. Der Vorsitzende der Kommission, Lehrer Hermann, gab dies einfach zu, erklärte aber dabei, die Anfragen seien von jüdischen Familien ausgegangen, und diese wolle er in Hahnenklee nicht dulden. Die jüdischen Erholungsbedürftigen werden, nach dieser Aeußerung des an der Spitze der dortigen Kurkommission stehenden Mannes, auf die arischen Empfindungen dieses intoleranten Schullehrers billige Rücksicht nehmen und andere Orte im Harz aufsuchen, wo man ohne Taufschein für sein Geld mehr Komfort und freundlicheres Entgegenkommen findet — als in Bitterklee — pardon! — Hahnenklee! Herr Siegfried Kohlmann in Nürnberg schreibt uns: „Es ist eine höchst bedauerliche Tatsache, daß es sogar unter unseren eigenen Glaubensgenossen Leute gibt, die es nicht unter ihrer Würde halten, des schnöden Gelderwerbes wegen das Judentum öffentlich lächerlich zu machen. Ich meine hiermit vor allen Dingen die in dcn Danetstheatern auftretenden jüdischen Komiker. Es gehört häufig zum Programm derartiger Humoristen, das Licht ihres Humors auch über die Juden leuchten