Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Aachen
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 680 (sequence 2)
- Language
- German
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<580 Im deutschen Reich. „Ausgezeichnet durch hohen Biedersinn und unerschütterliche Ehrenhaftigkeit, verbunden mit seltener Bescheidenheit, Herzensgute und Arbeitsfreudigkeit, war der Verstorbene unermüdlich im Wirken und Schaffen für unsere Gemeinde, welcher er eine Zierde, ein leuchtendes Vorbild gewesen ist. Er hat derselben als Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes während seiner langen Amtszeit unschätzbare Dierste geleistet. Ein ehrendes und dankbares Andenken weit über das Grab hinaus ist dem Entschlafenen bei uns gesichert.« ch Frc nkfnrt a. M., 2. Dezember. Bei den am 29. v. Mts. hier stattgchadten 2l Stichwahlen zur Stadtverordneten-Ver« sammlung wurden II Demokraten und 7 Anhänger der Vereinigten Mittelstands-Parteien gewählt, darunter der evangelische Theologe Professor Trrmmershauson und der Besitzer des „judenreinen" Kölner Hofs, Gastwirt Laah; ferner sind zwei Nationalliberale gewählt worden, während die Sozialisten in der Stichwahl nur einen Sitz errangen. — Laaß wurde mit 1373 gegen 550 gewählt. Die Frankfurter Stadtverordneten-Versammlung ist nun nicht mehr „antisemitenrein!" cf Hamburg, 1. Dezember. Unter der Ueberschrift „Ein unerhörter Vorgang" wurde in den ersten Tagen des Februars d. I. in der „Berliner Zeitung« über eine Prügel-Affäre berichtet, die sich im Stationsgebäude in Kaulsdorf bei Berlin abgespielt haben sollte. Da am 6. Februar unmittelbar darauf die „Staatsbürger-Zeitung" den von einem Bahnbeamten in Kaulsdorf mißhandelten Chemiker Dr. Bloch in ann als einen „provozierenden Juden« bezeichnet hatte, wurde sofort in der „Berliner Zeitung« erklärt, daß dieser Herr weder dem Bekenntnis noch der Abstammung nach als Jude zu bezeichnen sei. Trotzdem diese Berichtigung den „Deutsch-Sozialen Blättern" nicht entgangen sein konnte, hat das mit den gedachten Blättern verschmolzene Hamburger „Deutsche Blatt" am 15. Oktober den Bericht über die betreffende Gerichtsverhandlung unter der Ueberschrift „Juden und Beamte" veröffentlicht und daran die in diesem Falle besonders deplazierte Bemerkung geknüpft:. „Sollen unsere Beamten dazu verurteilt sein, alle fremd rassigen Eigentümlichkeiten im deutschen Dienst auf deutschem Boden widerstandslos über sich ergehen zu kaffen?" — Das Verhallen des „Deutschen Blattes« ähnelt so sehr den Manieren einer gewissen russischen Presse und ist so wenig dem deutschen Nationalcharakter entsprechend, daß weit eher die Frage berechtigt ist, ob die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens wirklich dazu ver« urteilt find, diese „fremdrassige, farmatische Eigentümlichkeit" gewisser Preßorgane widerstandslos über sich ergehen zu lassen.