Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Breslau
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 677 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 677 zu den Wahlkosten erhoben worden, und nachher sei auf Treibereien der Ausschluß erfolgt. Mitglieder des Breslauer Handlungsdiener- Jnstituts und des Ortsvereins deutscher Kaufleute gaben die Erklärung ab, daß sie den Ausjchluß für ungerecht halten. Herr Markus vom Centralverbande bemerkte, es sei falsch, daß alle Mitglieder des Centralverbandes Sozialdemokraten seien; er z. B. sei Anhänger der freisinnigen Volkspartei. Wie verlautet, ist die Vorschlagsliste des Centralverbandes gesichert." Wie das „Jüdische Volksblatt" berichtet, sind bei den hiesigen Stadtverordnetenwahlen die ausscheidenden jüdischen Stadtverordneten wiedergewählt worden. In der dritten Abteilung war allerdings kein einziger Jude ausgestellt; in der zweiten Abteilung wurden die Herren Louis Hamburger und Dr. Reich, in der ersten die Herren Justizrat Feige und Rhedereidirektor David Mugdan wiedergewählt. Es wurden aber auch in derselben Abteilung die Herren Konsul Fritz Ehrlich, Rechtsanwalt Di-. Paul Honigmann und Handelsrichter Siegmund Sachs neugewählt. Mithin gehören der Stadtverordneten-Versammlung unter 102 Mitgliedern jetzt 18 jüdische Herren an. -j- Kattowitz, 1. Dezember. Dem hier erscheinenden „Oberschlesischen Tageblatt" ist nachstehendes, an Abraham Mehr zu Pleß gerichtetes Schriftstück, das sich im Besitze des Rabbiners Dr. Cohn befindet, zum Abdruck überlasten worden: „Ihr Schreiben vom 25. d. v. Mts. habe ich soeben erhalten, und kann Sie nur ersuchen, die Fälle anzuzeigen, wenn Gerichtsbehörden oder einzelne Justizbeamte sich beikommen lasten sollten, sich der Adreste „An den Juden N. N." zu bedienen. So wenig man es sich einfallen lasten kann „An den Christen N. N." oder „An den Türken N. N." zu schreiben, eben so wenig würde ich es gut heißen, sich jener Adreste an einen Juden zu bedienen. Wo es auf Glaubens- Verhältnisse ankömmt, stellt sich die Sache anders. Da ist die Bezeichnung „Jude, jüdische Religion" ganz an ihrem Platze, und dieser uralte Volksname jedenfalls treffender und ehrwürdiger, als der „Mosaischer, alttestamentarischer Glaubens - Genosse" und wie die Erfindungen der neuern Zeit heißen mögen, deren Gebrauch — weit entfernt etwas Höheres auszudrücken, nur verletzend ist, weil kein Jude und überhaupt kein vernünftiger Mensch je zugeben wird, daß in der Benennung „Juden" etwas liege, was man zu umschreiben inötig habe —!— Don Reiigionshaß kann überall nicht die Rede sein Wer dem Glauben seiner Väter oder sonst seiner religiösen Ueberzeugung folgt und ein ehrlicher Mann, ein rechtschaffener Bürger des