Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- J. H., Hersfeld
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 634 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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634 Im deutschen Reich. berg, Bez. Cassel während der diesjährigen Manöver einquartiert war. nach der Rückkehr in die Garnison der betreffenden Familie einen Dankesbrief sandte, in dem er offen bekannte, während seines siebcuzehntägigen Aufenthaltes in einem jüdischen Hause von seiner früheren Voreingenommenheit geheilt worden zu sein. Sicher würde .'s manchem so ergehen, wenn er, wie jener Unteroffizier, gewillt wäre, fich eigene Erfahrungen zu verschaffen und das Leben in jüdischen Familien unbefangen zu prüfen. Deshalb wünschen wir, Gastgeber und Gast fänden recht viele Nachahmer! S. M. Leipzig. Ihre Klage ist entschieden berechtigt, aber was Hilsts? Den in der Wolle gefärbten Judenfeinden können wir es doch nie recht machen, wir mögen es anfangen, wie wir wollen. Der „Frankfurter Zeitung" wurde aus Nürnberg geschrieben: ^Hier geht kürzlich eine Dame auf den Markt, um Obst zu kaufen. Eine Bauernfrau verlangt zwanzig Pfennige für das Pfund Birnen die Dame will nur fünfzehn dafür geben. „Su, fufzia Pfenning för bei schena Stent!" schreit die Bauernfrau, „aan su wos z'bieten — so unverschaamt kenn« doch ner die Juden san! Oiz machen's, daß weiter kumma — oiz kriagn's von mir gor femt Stent nit, Sie Judi!" Die Dame geht ruhig weiter und findet bei einer Höckerin in der Nähe dieselbe Sorte Birnen. Sie fragt da nach dem Preise und es werden ihr wieder zwanzig Pfennige fürs Pfund abverlangt. Natürlich fällt ihr nach den soeben gemachten'Erfahrungen nicht mehr ein, .handeln" zu wollen, und sie sagt: „Tut — geben Sie mir drei.Pfund von den Birnen!" Nebenan stand eine Arbeitersfrau, die anscheinend auch von den Birnen kaufen wollte und den Handel verfolgte. Als die Höckerin die Birnen abwiegt, fragt sie die Dame, was diese nun dafür bezahle. „Zwanzig Pfennige fürs Pfund." „Wos", schreit da die Arbeitersfrau wütend, „zwanzi Pfennirg gebe Sie glei — wos bei Fraa verlang« tout — und nehma glei drei Pfund und kenna kaan Pfenning nit handeln. Do sicht mer's Widder — esu protzt kenna ner die Juden sein! Alli Breis treibn's in die Höh', weil ihna nix z'teier is!" — Die Geschichte ist vollständig wahr; und das Schönste dran itt, daß die kaufende Dame gar keine Jüdin war." S. P., Heidelberg. Wie der „Kreuz-Zeitung" berichtet wirs, sind von dem kürzlich in Heidelberg verstorbenen außerordentlichen Professor der Jurisprudenz, Dr. Hermann Strauch, der dortigen