Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- C. L., Berlin
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 632 (sequence 2)
- Language
- German
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632 Im deutschen Reich. der Juden allgemein fortfallt, scheint noch nicht festzustehen. Da artige Kinder, welche nichts verlangen, in Rußland nichts bekommen, scheint der Mißstand, daß deutsche-Staatsbürger jüdischen Glaubens nur ganz ausnahmsweise die Möglichkeit erlangen, nach Rußland zu reisen, noch nicht beseitigt zu sein. Deutschland ist aber immer voran! Die nordamerikanische Bundesregierung verlangt von Rußland sogar auch die Gleichstellung der in Amerika naturalisierten russischen Juden. Dazu sind wir zu besche'den; die Forderung wäre auch bei der Seltenheit der Naturalisation in Deutschland fast überflüssig! Wir sind schon zufrieden, wenn das „höfliche" Deutschland inbezug auf die Pässe für die nach Rußland reisenden Juden zwarnicht voran, aber dicht hinterher kommt, wie es den Anschein hat. Dem „Leipziger Tageblatt" ist nämlich aus Berlin mitgeteilt worden: „Es ist uns authentisch bekannt, daß der Reichskanzler bei den Verhandlungen in Norderney diesen Gegenstand mit Herrn v. Witte erörtert hat. Graf Bülow hat die Besprechung dieses Punktes mit den durchaus zutreffenden Worten eingeleitel: „Was ich jetzt fordern werde, liegt vielleicht noch mehr in Ihrem als in unserem Interesse." Vermutlich wollte der Kanzler darauf Hinweisen, daß die zur Zeit bestehende Gesetzgebung in ganz Europa als rückständig empfunden wird und ihre Abänderung in allen Kulturländern günstigen Eindruck Hervorrufen werde. Herr von Witte sagte darauf: rVous avez parfaiteinent'raison!“ Demnach steht zu erwarten, daß die deutschen Wünsche in dieser Richtung Berücksichtigung finden." — Die Amerikaner freilich wünschen nicht nur — sie fordern! O. S., Berlin. Selbst die antisemitische „Tägliche Rundschau" hat dasAusscheiden der 60000 österreichischen Turner aus der deutschen Tnrnerschaft infolge des leidigen „Arier-Paragraphen" in einem längeren Artikel entschieden gemihbiüigl und sich der Meinung angeschlossen, welche Dt. Müller-Reichenberg auf dem Wiener Turnlage mit den Worten kundgab, daß absolut kein sachlicher Grund für den Austritt vorläge und nur persönliche Gefühle und Reibungen seine Ursache seien. Die „Tägliche Rundschau"' fügt hinzu: „Es Handel! sich in dem ganzen Kampf nicht, wie so gern betont wird, um Schutz des Judentums und um kosmopolitische Ziele, sondern um den Schutz der Rechte alter, treuer Vereine, die der Deutschen Turnerschas' gegenüber stets ihre turnerischen Pflichten erfüllt haben, gegen unberechtigte Angriffe politischer Fanatiker." S. C., Breslau. Der Versuch der „Russischen Telegraphen- Agentur", die abscheulichen Ausschreitungen russischer Reservisten