Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Th. P., Berlin
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 631 (sequence 1)
- Language
- German
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Brieskasien der Redaltwn. 6^1 Briefkasten der Redaktion. Th. P., Berlin. Durch körperliche Mißhandlung eines politischen Gegners wird einer Parteisache nichts genützt; der Vorfall im Hotel du Rome ist aber darauf zurückzuführcn, daß sich leider mehr und mehr die sicher irrige Ansicht verbeitct, daß gegen gräfliche Rüpeleien kein Recht zu finden sei. Die häßliche Szene in der franzöfischen Kammer ist damit nicht zu vergleichen. Dort hat der Nationalist Svveton den nichtsahnenden Kriegsminister Andre zweimal so heftig mit der beringten Hand ins Gesicht geschlagen, daß er ohnmächtig zurücksank. Syveton wurde, da er sich der von der Kammer beschlossenen zeitweisen Ausschließung nicht fügte, durch die militärische Wache gewaltsam aus dem Saale entfernt; er hat wegen Mißhandlung eines Ministers während einer Amtshandlung eine längere Gefängnisstrafe zu erwarten. Die antisemitische Tapferkeit ä la Pückler, der dazu ausfordert, daß immer 10 Arier einen Juden verhauen sollen, hat den Gesinnungsgcnoffen das parlamentarische Konzept gründlich verdorben. Die französische Kammer nahm unter dem Eindruck der „nationalistischen Roheit" die Tagesordnung der Regierung mit 343 gegen 236 Stimmen an und wird auch ferner beweisen, daß das „Dreschen" wenigstens in Frankreich nicht als ^eutlemaulike'- gilt. Die Wiener Antisemiten scheinen aber ebenso wie manche französische Nationalisten in dem Parlament keinen ungeeigneten Ort für Rohheitsausbrüche zu erkennen. In der am 5. November spät abends abgehaltenen Sitzung des niederösterreichischen Landtages nannte der Antisemit Ernest Schneider die Sozialisten „Lausbuben", worauf der Sozialist Scitz dem Abg. Schneider übermäßigen Alkoholgenuß vorwarf. Schneider ging mit erhobener Hand auf Seitz los, um ihn zu ohrfeigen, doch drohte Seitz mit dem Revolver, und Schneider wurde von Umstehenden aufgehalten. Im ganzen Hause herrschte heilloser Spektakel. Der Landmarschall ließ die Galerie räumen, und die Sitzung mußte unterbrochen werden. Der Disziplinarausschuß trat zusammen, und nach Wiederaufnahme der Sitzung verkündete der Landmarschall den Beschluß des Ausschusses, wonach Seitz und Schneider von der Sitzung ausgeschlossen wurden. C. L., Berlin. Ob die telegraphische Meldung zutrifft, daß der russische Botschafter dem Kabinet von Washington eine Revision des russischen Paßgesetzes anzeigte, durch welche die bisherige Ausschließung