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Im deutschen Reich · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. 624

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
Duisburg
Date
1904-11-01
Page
624 (sequence 2)
Language
German
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624 Im deutschen Reich. ausgenommen. Selbstverständlich zog dieser Schritt den Verlust jeglicher Unterstützung seitens israelitischer Kreise und den Bruch mit seiner Fannlre wie auch seiner ganzen Vergangenheit nach sich. Unter großen Entbehrungen studierte er in Bonn evangelische Theologie und bestand 3886 in Koblenz die Prüfung pro lieentm. Bis hierher ging alles leidlich gut. Nun aber beginnt für den Bedauernswerten eine Wander- und Leidenszeit, die undenkbar erscheinen würde, wenn-sie uns nicht vom Opfer selbst im Nachworte seiner Schrift „Der Materialismus im Kampfe und im Bunde mit der Religion" unwiderleglich gezeichnet und aktenmäßig belegt würde." Die Zulassung zum Examen und damit seine Anstellung im Kirchendienst knüpfte die Kircheu'behörde nämlich an die Bedingung der Naturalisation, hinwicderrm knüpfte die Staatsbehörde diese an die Bedingung des Nachweises der Austestung im Kirchendienste. In dieser Zwickmühle befindet stch Odysseus Bernstein nunmehr seit etwa 16 Jahren (!!) mit dem Unterschiede, daß sein antikes Vorbild doch endlich heim gelangte, während er kein Ende seiner Irrfahrt sieht, bis ihn vielleicht d«'.r Tod einmal aus einer Kirche erlöst, in die er einst mit hoffnunggeschwellter Brust cinzutreten das kindliche Vertrauen und den — heroischen Mut hatte. Baterlandslos — denn die russische Nationalität hat er verloren,- die deutsche wird ihm vor» enthalten — zieht er nun von Ort zu Ort, um durch Vorträge, wie auch durch Herausgabe von ansprechenden Schriften zur Verteidigung der christlichen Weltanschauung sauer sein kärgliches Brot zu verdienen. — Paulus Isaak Bernstein ist ein lebendiger Beweis für die Tatsache, daß selbst die Hoffnung auf materielle Vorteile, die für so. viele die Triebfeder zum Uebertritt zur herrschenden Kirche ist, durchaus sich nicht immer erfüllt. ± Diepholz, 1. November. Als öffentlicher Beamter, nämlich als Lehrer der israelitischen öffentlichen Volksschule sowie als Leiter der hiesigen allgemeinen Handelsschule in Diepholz hatte es der dortige Lehrer Erich Nagel für eine Pflicht der Höflichkeit gehalten, bei zufälligen Begegnungen den Königlichen Baurat Sch er ler in Diepholz zu grüßen. Am 12. Oktober v. Js. ersuchte ihnScherler aber schriftlich, künftig sowohl ihm als auch seiner Frau gegenüber einen Gruß zu unterlassen, da es ihm unangenehm sei, von einem Juden gegrüßt zu werden, bezw. einen Gruß zu erwidern. Herr Nagel, der seine bürgerliche Geltung als öffentlicher Beamter durch den schriftlichen Ansdruck der Geringschätzung geschädigt erachtete, stellte Strafantrag auf Grund des tz 185 St.-G.-B. Da die Königliche Staatsanwaltschaft zu Osnabrück es ablehnte, die öffentliche

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