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Im deutschen Reich · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. 565

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
A. R., Berlin
Date
1904-10-01
Page
565 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Reaktion. 565 A. R., Berlin. Der antisemitische Reichstagsabgeordnete Otto Heinrich Böckler, dessen Wahlersolg s. Z. von vielen als ein „vaterländisches Trauerspiel" angesehen wurde, sucht seit längerer Zeit durch fast tägliche Anzeigen in der von ihm mitbearbeiteten „Staatsbürger-Zeitung" Exemplare der von ihm verfaßten beiden „vaterländischen Schauspiele: Jahschko von Köpenick und Die letzte Schlacht" für 25 Pfg. pro Stück abzusetzen. Neuerdings hat er ein neues, vaterländisches Schauspiel „Markgraf Waldemar" erzeugt, dem das Antisemitenblatt nachrühmt, daß „in der Wucht der Sprache die innere Wahrheit liegt." Den Genuß der Lektüre dieses Meisterwerks „des an den politischen Fehden der Gegenwart so lebhaft teil nehmenden" Herrn Böckler haben wir uns zwar bisher versagt, aber uns doch wenigstens daran ergötzt, daß in den von der „Staatsbürger- Zeitung" aus dem Stück zitierten Versen sich auch folgende finden: „Und wem ein märkisch Herz im Busen schlägt, Der wird nicht lang' nach meinem Stammbaum ftagen, Und dennoch mir die Achtung nicht versagen." Danach scheint selbst in dem Busen des Brandenburger Böckler kein „märkisch Herz" zu schlagen, denn der fragt als „Raffenantisemit" sicher jeden erst nach dem Stammbaum, ehe er ihm die schuldige Achtung zollt! L. M., Berlin. Der kürzlich in Holland zum Staatsminister ernannte berühmte Rechtslehrcr der Universität zu Amsterdam, Karl Ass er, ist noch heute Jude. Uebrigens ist noch im Jahre 1860^üt den Niederlanden ein Jude, Michael H. Godefroi, Justizminister gewesen. Seitdem ist fast ein halbes Jahrhundert verfloffen und an der Universität der deutschen Reichshauptstadt konnte in unserer Zeit ein Rechtslehrer von der Bedeutung Staubs als Jude keine Professur erhalten. Da ist wirklich jeder Kommentar überflüssig! M. S., Berlin. Unter der ironischen Ueberschrift: „Ein wirklich nützliches und zeitgemäßes Inserat* druckte die „Staatsbürger-Zeitung" am 9. September aus einem hiesigen Blatt die nachstehende Anzeige ab: „Zu den bevorstehenden jüd, Feiertagen halte meine neue Bade-Anstakt, Brunnenftraße, bestens empfohlen." Dazu bemerkt das Antisemitenblatt höhnisch: „Im Interesse der Besserung der sanitären Verhältnisse Berlins kann man nur wünschen, daß dieses, zweifellos einem dringenden Bedürfnis entsprungene Inserat, guten Erfolg hat." — Ein dringenderes Bedürfnis erscheint da wohl

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