Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Nürnberg [Nachricht]
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 556 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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556 Im deutschen Reich. + Nürnberg, 1. Oktober. Am 14. v. Mts. ist hier der Minister vr. Freiherr von Riedel, zum Besuche seines Jugendfreundes, des Geh. Hofrates Justizrat Josephthal cingetroffen und bei Lessen Schwiegersohn, Kaufmann Hans Hopf, abgestiegen. Am 15. September reiste der Minister wieder nach München zurück. X Wien, 2. Oktober. Der am 25. v. Mts. abgehaltene Kreisturntag des Turnkreises 15 (Deutsch-Oesterreich) beschloß mit mehr als Zweidrittelmehrheit seinen Austritt aus der Deutschen Turnerschaft und die Umwandlung in einen selbständigen Tuinkreis. Damit ist die Turnfehde wegen des „Arierparagraphen" zum Abschluß gelangt. Die Abstimmung ergab 97 Stimmen für und 54 gegen den Austritt. Eine Uebcrraschung konnte diese Entscheidung kaum bringen, denn durch den Antisemitismus war das Band zwischen dem 15. Turnkreise und der sich von dem politischen Parteitreiben löblich fernhaltenden reichsdeutfchcn Turnerschast schon so verrostet daß es früher oder später brechen mußte. Die „arischen" Turner des 15. Turnkrcises werden es noch tief bedauern, daß sie sich angesichts der Gefahren der sie umgebenden slawischen Hochflut den Lupus des Judenhaffes gönnten. Sie machen es wie Karl Lueger, „drücken beide Augen zu" und lassen die Czechen walten! Am 16. Oktober dieses Jahres blickt der Generalsekretär unseres Vereins aus eine zehnjährige Tätigkeit in seinem Amte zurück. Herr Alphonse Levy hat cs verstanden, mit seltener Ausdauer, unermüdlichem Fleiß und großem Geschick den schwierigen Aufgaben vollauf gerecht zu werden, die an ihn herangetreten sind. Wie schwierig und vielseitig diese sind, kann nur derjenige ermessen, der einen Einblick in die außerordentlichen Anforderungen hat, die stetig wachsend an den Verein gestellt werden. Wenn es uns gelungen ist, den Central- Vercin aus kleinen Anfängen zu einer den Freunden des Rechts Genugtuung, den Feinden Achtung gebietenden Stellung emporzuführcir, so ist dos nicht zum geringsten der Arbeitskraft und Pflichttreue des Herrn Generalsekretärs zu danken. Als Leiter des Bureaus, als Redakteur der Zeitschrift, in weitverzweigter Korrespondenz, hat er sich gleich bewährt. Der Vorstand, die Ortsgruppen, die Vertrauensmänner, die Mitglieder können dafür Zeugnis oblegen. Möge es ihm und uns vergönnt sein, eine solche Arbeitskraft noch lange sich entfalten zu sehen, — den Freunden zu Ruh, den Feinden zum Trutz! Der Vorstand des Ceniralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.