Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Verhandlungen der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte, 75. Versammlung zu Kassel [Rezension]
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 508 (sequence 1)
- Language
- German
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508 Nm deutschen Reich. Kucherscha«. Verhandlungen der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte, 75. Versammlung zu Kassel. Im zweiten Teile dieser Schrift hat Professor E. Lampe in Berlin dem verstorbenen Professor der Mathematik an der Technischen Hochschule zu Charlottenburg, Dr. Meyer Hamburger, einen längeren Nachruf gewidmet, in dem nicht nur der hervorragende Gelehrte gefeiert wird, sondern — was aus dem Munde eines Nichtjuden besonders erfreulich ist — auch der charakterfeste Jude. In diesem Nachrufe werden die Schwierigkeiten betont, die sich dem verstorbenen als Juden entgegenstellten und die dieser mit seltener Charakterstärke ertrug. So wird u. a. darin gesagt: „Der Gewinn der bestandenen Oberlehrer-Prüfung war gering. Nach den gesetzlichen Bestimmungen jener Zeit mußte Hamburger als Jude beim Ablegen der Prüfung ein Schriftstück unterzeichnen, durch das ihm bekannt gegeben wurde, daß er durch die ihm zugebilligte Facultas docendi keinen Anspruch auf Anstellung an einer höheren Lehranstalt Preußens erworben hätte. Um eine sichere Lebensstellung zu erhalten, sah er sich daher gezwungen, 1864 die Stelle eines Lehrers an der jüdischen Gemeindeschule zu Berlin anzunehmen. Dem Glauben seiner Väter getreu, hat er in philosophischer Ruhe und Würde diese Stellung bis zu seinem Lebensende bekleidet. Die wissenschaftlichen Leistungen Hamburgers waren derartige, daß der Wunsch entstehen mußte, seine Kraft für eine Hochschule zu gewinnen. Es ist das Verdienst Weingartens, den bedeutenden Gelehrten, der an ein Hinaustreten aus der Stille seines Sinnens und Forschens nicht gedacht hatte, zum Eintrit in den Lehrkörper der Technischen Hochschule zu Berlin aufgefordert zu haben. Durch Ministerialerlaß vom 15. Januar 1879 erhielt Dr. Hamburger die Genehmigung zur Abhaltung außerordentlicher Vorträge über mathematische Gegenständ-' an der Bauakademie. Mit dem Lehrauftrage für niedere Analysis und Algebra bettaut, erhielt er als Dozent 1885 sein Patent als