Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- G. M., Leipzig
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 505 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 505 Verflüchtigt. Bäcker schreibt vielmehr diesen Vereinen das mindestens zweifelhafte Verdienst zu, „das Rassenbewußtsein in der überwältigenden Mehrheit der deutschen Studentenschaft zur Herrschaft gebracht zu Huben." Der Antisemitismus in der akademischen Jugend sei nicht nur nicht im Absterben begriffen, sondern eher reifer und innerlicher als früher geworden und habe wissenschaftliche Eroberungen von höchster Bedeutung gemacht. — Ueber den Wert der schönrednerischen Chamberlainschen Pseudo-Wissenschaft sind die wirklichen Gelehrten längst einig, aber inbezug auf die „Verinnerlichung des Antisemitismus in der akademischen Jugend" dürfte Herr Bäcker leider Recht haben. Um so schlimmer für diese Jugend und für Deutschland, wenn diese Krankheit sich verinnerlicht hat;-um so mehr ist es Pflicht, auf wirksame Heilmittel zu sinnen! N. ft., Wien. Ein im Aufträge des Erzherzogs Franz Ferdinand von dem Flügeladjutanten Oberstleutnant v. Gelb an das Gurker fürsterzbischöfliche Ordinariat gerichtetes Schreiben enthält den Satz: „Se. kaiserliche Hoheit berührt es stets sehr unangenehm, bei Juden und ausländischen Antiquitätshändlern aus Kirchen stammende Kunstgegenstände zu finden." — Die jüdischen Kunsthändler werden sicher nicht verfehlen, die etwa in ihrem Besitze befindlichen betreffenden Gegenstände Sr. kaiserl. Hoheit preiswürdig zum Ankauf anzubieten, um dem reichbegüterten Erzherzoge die ihm sicher angenehme Gelegenheit zu geben, durch geringfügige Geldopfer der ihm unangenehmen Empfindungen ledig zu werden. S. H., München. . Jede Nummer der Zeitschrift „Das Bayerische Vaterland" liefert deutliche Beweise dafür, daß in den Spalten dieses Blattes zwar nicht mehr der urwüchsige Humor I>r. Sigls waltet, die judenfeindliche Gesinnung des verstorbenen „Preußenhassers" sich aber auf seine Epigonen unverkürzt vererbt hat. Als Motto sollte das Blatt das Citat wählen: „Zum Teufel ist der Spiritus, das bajuvarisch-antiiemitische Phlegma ist geblieben!" Die Pariser Nachricht, daß die Barone Alfons, Gustav und Edmund Rothschild zehn Millionen Franks zur Errichtung billiger Arbeiterhäuser und zur Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter spenden wollen, begleitete z. B. das Münchener Antisemitenblatl mit der geistreichen Bemerkung: „Die jüdischen Barone möchten wohl mit diesen zehn Millionen ihr Gewissen und verschiedenes andere beruhigen". Ueber die Verhandlungen des russischen Finanzministers mit der „Rothschild- Gruppe" schrieb dasselbe Blatt: „Jetzt kann es möglich sein, daß die Welt das Schauspiel erlebt, daß die „Alliance israelite“, bezw.