Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- P. M., Hamburg
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 504 (sequence 2)
- Language
- German
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£04 Im deutschen iHeidj. Antisemitenblatt annimmt, daß die jüdischen Abiturienten aller Wahrscheinlichkeit nach die Warnung doch nicht beachten würden, so ist diese Annahme für die Juden ehrenvoll. Es zeugt doch für den idealen Sinn der jüdischen Abiturienten, wenn sie sich einem wenig lohnenden, mühsamen Berufe zuwenden. Um die progressive Zunahme der jüdischen Aerzte wirksamer zu verhindern als durch jene auf dem vorjährigen Aerztetage in Köln beschlossene „Warnung" gibt es nur ein Mittel, daß man nämlich der jüdischen Jugend die Möglichkeit gibt, sich in anderen Berufen zu betätigen, die ihnen jetzt noch „menschenfreundlich" verschlossen sind. lw. L. S., Dresden. Die Konfessionalisierung der Jrrenpflege schreitet allmählich so weiter, daß sogar den Antisemiten, die doch auch auf diesem Gebiete in traurigster Weise bahnbrechend gewirkt haben, vor den Folgen bange wird. Die Dresdener „Deutsche Wacht" verweist darauf, daß die westfälische Provinzialverwaltung eine fünfte Irrenanstalt baut, eine sechste plant und die Absicht bekundet, nach Vollendung der Bauten eine konfessionelle Trennung der Geisteskranken in der Weife durchzuführen, daß je drei Anstalten für die Katholiken und die Evangelischen eingerichtet werden. Dazu bemerkt das Dresdener Antisemitenblatt: „Die Weisheit und die Toleranz der westfälischen Provinzialverwaltung werden die Lippen des Herrn Studt und der Bischöfe selig lächeln lassen." — Solche konfessionelle Trennungen müßten eigentlich den vollsten Beifall der Antisemiten haben; denn - sie sind nur die logische Konsequenz der Handlungsweise jener antisemitischen Anstalts-Dirigenten, die bei Anstellungen der Aerzte „die Angabe der Konfession" für unerläßlich ansehen, damit nur ja nicht ein christlicher Geisteskranker Gefahr läuft, von einem jüdischen Arzt behandelt zu werden. G. M., Leipzig. Der in den „Akademischen Blättern" am 1. August enthaltene Leitartikel „Studentenschaft und Antisemitismus" beweist nur, daß Herr Sanitätsrat Konrad Küster in einem Artikel der „Aüg. Deutschen Universitatszeitung" über die Juden und die Burschenschaften eine dem „Vereine Deutscher Studenten" empfindliche Stelle berührt, aber das Richtige getroffen hat, als er sagte: „In den Gemütern der Studenten spiegeln sich die Zeitauswüchse nur zu leicht ab. Die Studenten besitzen nicht den moralischen Mul, gegen den Strom zu schwimmen; in späteren, reiferen Jahren schwinden diese Ausartungen aber meist wieder." Herr Paul Bäcker verwahrt sich nicht nur dagegen, sondern auch gegen die Aeußerung des Liebermannschen Organs, der Antisemitismus der Vereine deutscher Studenten habe sich zum „Salonantisennlismus"