Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- C. L., Berlin
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 501 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten Der Redaktion. 501 C. L., Berlin. In dem am 26. Juli d. I. datierten Berichte der „Staatsbürger-Zeitung" über die Verurteilung des Bäckermeisters Emanuel Hirschberg in der Zinzendorserstraße wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz und gegen die Gewerbeordnung hat das Antisemitenblatt durch Einschaltung eines Fragezeichens hinter dem Namen Hirschberg die Annahme zu verbreiten gesucht, daß einem Juden „Unsauberkeiten in der Bäckerei" nachgewiesen seien. Wir haben aber durch Nachfragen festgestcllt, daß Herr Hirschberg nicht Jude ist und aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht von Juden abstammt. Wenn die „Staatsbürger-Zeitung" nicht von dem Arier, tum des Genannten überzeugt gewesen wäre, würde sie sich auch nicht mit dem listigen „Fragezeichen" begnügt, sondern flottweg Herrn Hirschberg als „Juden" bezeichnet haben. A. M., Berlin. Sie sind vollständig im Irrtum, wenn Sie eine größere Mäßigung in den Kreisen der „Staatsbürger Zeitungs- Männer" feststellen zu können glauben. Die Loslösung von Pückler bat keine Aenderung der Gesinnung zur Folge gehabt; es wird weiter auf die Juden geschimpft, gegen das Kausen bei Juden gezetert und ganz besonders die Regierungspolitik, weil sie sich nicht vollständig der Diktatur der Antisemiten fügt, als völlig verjudet dargestellt. Der Ton, in dem dies geschieht, ist nach wie vor durchaus ^demagogisch." In einer am 12. Juli in Leydeckers Festfälen veranstalteten Versammlung des „Deutschen Antisemitenbundes", oder — wie er jetzt heißt — „Mittelstandbundes" sagte der Redakteur Kammer wörtlich: „Kostbare Mosaiken entsprechen nicht dem schlichten Sinn des alten Kaisers, dem aller Prunk und noch dazu aller Judenprunk zuwider war. Durch die Art, wie man heute das Judentum hofiert, ist es gekommen, daß unsere ganze Politik nur im Jnteresie des Jobbertums, der Börse und des Großkapitals gemacht wird; nationalgesinnte Kreise des deutschen Volkes dagegen finden mit ihren Wünschen kein Gehör. Es wäre sthr gut, wenn die Minister, wie es der Kaiser kürzlich sagte, sich etwas mehr umsehen würden; dann sollten sie aber auch die höchsten Stellen über die wahre Stimmung im Volk unterrichten. Uns fehlt heute ein Harun al Raschid, der in Verkleidung im Volke einhergeht und seine Wünsche und Klage« hört! Wenn man uns auf der einen Seite das Zusammenhalten de, Juden als Muster hinsteüt, dann finden sich auf der anderen Seite Gerichtshöfe, die antisemitische Redakteure verurteilen, weil sie diese Mahnung in die Tat umgesetzt und ihre Volksgenossen aufgefordert haben, nicht bei Juden zu kaufen!" Auf dem „patriotischen" Sommerfest, welches die Firma