Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- D. K., Berlin
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 500 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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500 3m deutschen Reich. Briefkasten der Redaktion. D. K., Berlin. Als „Jüdische Praktiken" hat es am 19. August die agrarische „Deutsche Tageszeitung" zu bezeichnen gewagt, daß der christliche Schlächtermeister Ernst Morgenstern, Kaiser Wilhelmstraße 20, der vom Hofschlächtennstr. Kühne 67 halbe Schweine gekauft hatte, durch den Gesellen Karl Dietrich mehrere halbe Schweine bei Seite bringen ließ und Kühne veranlaßte, sich für das angebliche Mindergewicht der Lieferung den Abzug von 96 Mk. gefallen zu lassen. In der Verhandlung vor der 2. Ferienkammer des Berliner Landgerichts I führten die Angeklagten die verdächtigen Umstände auf allerlei Zufälligkeiten zurück; die Beweisaufnahme fiel aber zu ihren Ungunsten aus, weshalb Morgenstern zu 3 Monaten Gefängnis und 600 Mk. Geldstrafe, Dietrich zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Dafür, daß ihre strafbare Handlungen von dem Agranerblatt als „jüdisch" bezeichnet worden, liegen offensichtlich keine anderen Gründe vor als gewisse niedrige „ antisemitische Praktiken ", die sich die Deutsche Tageszeitung schon völlig zu eigen gemacht hat, ohne zu empfinden, daß dabei die „weiße Weste" des Abg. Dr. Oertel nicht fleckenrein bleiben kann. S. 9t, Berlin. Die „Deutsche Tageszeitung" bemerkte über den im Zentralausschuß des Rabbiner-Verbandes von Herrn Rabbiner Dr. Munk-Marburg erstatteten Bericht über die „ Schächtfrage": „Wir stimmen mit dem Herrn Rabbiner darin vollkommen überein, daß die Schächtfrage gesetzlich, und zwar reichsgesetzlich geregelt werden muß. Wir haben die Pflicht, dafür zu sorgen, daß eine Schlachtart beseitigt wird, die dem menschlichen Empfinden ins Gesicht schlägt." — Daß dies bei der häufig mißglückenden Betäubung der Tiere durch „Keulenschläge" weit mehr der Fall ist, als bei rationeller Ausführung der rituellen Schächtmethode, darüber sind sich die Gelehrten nahezu einig. Leider handelt es sich aber bei der Schächtftage für sehr viele weder um menschliches noch tierisches Empfinden, sondern — um eine rein politische, antisemitische Kraftprobe.