Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / Kruse
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 498 (sequence 2)
- Language
- German
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498 Im deutschen Reick. In Oberlauchringen, Bezirksamt Waldshut in Baden, befand sich längere Zeit dem Bahnhofe gegenüber am „Hotel zum Wutachtal" auf dem Dache ein Schild, auf dem das Hotel zuerst als „judenreines", dann als „judensreies Haus" bezeichnet war. Da das Hotel an einem Platze liegt, auf dem Umsteigeverkehr stattfindet, und das Schild sowohl für das Bahnpcrsonal wie für die Reisenden sichtbar war, konnte man erwarten, daß die badischen Behörden eingreifen würden, zumal schon am 16. September 1902 der Großherzogliche Verwaltungsgerichtshof in einem ähnlichen Fall ein Verbot damit begründet hatte, „daß das Bedürfnis des reisenden Publikums (zum großen Teile Juden) nicht befriedigt wird und die Gefühle eines Teils des Publikums verletzt werden." Unsere Erwartung hat uns nicht getäuscht, da die „Staatsbürger-Ztg." folgendes berichtet: „In Oberlauchringen in Baden hatte der Gastwirt Albiez auf dem Schilde seines Gasthauses „Zum Wutachtal" die Aufschrift angebracht: „Judenreines Haus". Die Söhne Israels brachten es fertig, daß das Großherzogl. Bezirksamt, das in der Berufungsinstanz auch mit seiner Entscheidung obsiegte, die Entfernung dieser Aufschrift verfügte. Ebenso ist es der späteren Aufschrift „Judenfreies Haus" ergangen; auch diese Worte haben entfernt werden müffen. Sieg auf der ganzen Linie! Im Norden wie im Süden, überall williges Entgegenkommen, sobald nur Juda wünscht. Unserm Freunde Albiez raten wir, nunmehr auf sein Firmenschild zu setzen: „Zum Wutachtal, Christliches Gasthaus". Das wird er doch wohl dürfen; wir glauben sogar im liberalen Baden. Sollte dieser oder jener unserer werten Leser aber einmal in die Gegend von Oberlauchringen kommen, dahin, wo der wackere deutsche Mann Jakob Albiez sein Haus „Zum Wutachtal" vor jüdischen Fremde« zu schützen sucht, so wollen sie Einkehr bei ihm halten und ihm freundschaftlichst die Hand drücken als einem braven Manne, deren es leider nur zu wenige giebt, den Umständen nach leider nur gebe» kann." — „Hoch klingt das Lied vom braven Mann!" in der unduldsamen Handelsstätte der Friedrichstraße; die „Deutsche Tageszeitung" sekundiert, indem sie versichert, „die seltsame Empfindlichkeit unserer jüdischen Mitbürger nicht verstehen zu können, da die an vielen Gastwirtschaften in hebräischen Buchstaben angebrachte Inschrift: „koscher" das betreffende Haus doch auch gewiffermaßen als „christenfrei" bezeichne und kein Mensch sich darüber aufhalte." Nun, das antisemitisch-agrarische Organ des Abg. vr. Oertel versteht auch noch manches andere nicht. Tatsächlich ist es dankbar anzuerkennen, daß das badische Ministerium des Innern auf Veranlassung der „Vereinigung badischer Israeliten" das Bezirksamt