Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Konstanz i. B.
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 495 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 495 dem Central-Vereine erst später durch eine Mitteilung eines Sohnes des Verblichenen, Herrn H. Maier-Friedländer, bekannt geworden ist, wurde 1826 in Kolmar in Posen geboren und war in den Jahren 1857 bis i882 Inhaber eines bedeutenden Bankgeschäfts in Bromberg. Längere Zeit war er Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums und später Vorstand der Synagogen-Gemeinde Bromberg; ebensolange war er aber in der städtischen Verwaltung hervorragend tätig, erst als Stadtverordneter, dann als Magistratsmitglied und Vertreter Brombergs im Provinziallandtage, schließlich auch im preußischen Herrenhause. Von 1882 bis 1892 lebte er in Frankfurt und von da ab in der Villa Breitenstein in dem nahe bei Konstanz gelegenen Schweizer Städtchen Ermatingen. Von dort aus erklärte er im März 1898 seinen Beitritt zu dem damals neugegründeten Eentral- Derein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dem er bis zu seinem Tode ein lebhaftes Interesse zuwandte. Ehre seinem Andenken'. # Oldenburg, Gr., 2. September. Herr Professor Or. Albrecht, einer der bedeutendsten Gelehrten unseres Landes, hat beim christlichen Religionsunterricht in der Prima der hiesigen Oberrealschule, als von der Blutbeschuldigung im allgemeinen bei der Apostelgeschichte die Rede war, Gelegenheit genommen darauf hinzuweisen, daß bei allen Völkern von solchem Aberglauben sich Spuren finden und daß es ganz absurd sei, an ein „Blutritual" der Juden zu glauben, denn gerade bei den Juden sei selbst der geringste Genuß des Blutes verboten. Professor Albrecht — ein gründlicher Kenner der jüdisch-talmudischen Literatur, der momentan sogar eine Sammlung spanisch-jüdischer Dichter herausgibt, ist auch als hervorragender Pädagoge hier allgemein bekannt. Er hat sich durch diese aufklärenden Bemerkungen den Haß eines hiesigen antisemitischen Glasermeisters zugezogen, der seinem Aergcr in der „Staatsbürger-Zeitung" Luft macht und die oberste Schulbehörde zum Einschreiten gegen diese „Verjudung" anruft. Damit hat er aber wenig Glück, denn in unserem Lande herrscht ein freiheitlicher Geist der Cultur und Aufklärung. Man wird es in unserer Schulverwaltung einem Pädagogen doppelt hoch anrechnen, wenn er wahre Bildung und Aufklärung der Jugend einprägt, damit aus unseren Schulen Stützen der Bildung und Wissenschaft hervorgehen, nicht Hetzer, die an den Grundsäulen der staatlichen Ordnung rütteln und des Volkes Seele vergiften. HerrProf.Albrechtkännmanchen deutschenPädagogenals Vorbild dienen, wie man „die zukünftigen Stützen der Gesellschaft-erzieht. < Hoppstädteu in Birkenseld, 1. September. Während der Anwesenheit der Großherzoglich Oldenburgischen Familie im Fürsten-