Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Leipzig
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 494 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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494 Im deutschen Reich. gegeißelt werde, und dafür erscheint mir das „Leipziger Tageblaü", dem man konfessionelle Voreingenommenheit nach keiner Seite hin vorwerfen kann, besonders geeignet. Der Schreiber dieser Zeilen ist nicht Partei. Er blickt auf einen nachweislich „makellosen" Stammbaum zurück, den selbst der spürwütigste Antisemit anerkennen müßte. Aber gerade darum darf und muß er seine Stimme erheben. Es wäre schön, wenn es gelänge, unser Volk in dieser Beziehung zu größerer Zurückhaltung zu erziehen. Dieser Antisemitismus, der jedes feinere Gefühl schwer beleidigt, ist sicher nicht imstande, dem jüdischen Geiste wirksam entgegenzutreten, und außerdem wollen wir nicht vergessen, daß der Kampf des germanischen mit dem jüdischen Geiste immer nur ein Kampf sein kann, in dem die höhere Kultur siegen wird und siegen soll. Die Gestnnungsäußerungen aber, die ich auch in diesem Jahre wieder in den Zellen meiner geliebten Ostseebäder fand, sind nicht geeignet, mich über den Kulturstand der deutschen Nation völlig zu beruhigen." Die antisemitische Dresdener „Deutsche Wacht" ist über diesen Artikel sehr erbost, bemerkt aber schließlich doch selbst: „Die Sachsen sind draußen in der Fremde überall wegen ihrer Höflichkeit beliebte Gäste. Freilich glauben sie vorläufig nicht, daß die Berliner Juden die preußische Ostseeküste allein gepachtet haben, und beanspruchen für sich noch Bewegungsfreiheit. Die politisch organisierten Antisemiten Sachsens haben nie einen Hehl daraus gemacht, wie ernst sie „Schmieralien" wie die oben genannten verurteilen. Wir können nur annehmen, daß Leute, die in der Heimat gar judenfürchtig sich aufspielen, draußen ihrem Judenhaß so kindisch Luft macken. Auf Borkum singen ja auch abendaus, abendein Leute das Antisemitenlied, die daheim nichts weniger als Antisemiten sind!" — Was denn? co Bayreuth, 1. September. Während der Wagner-Aufführungen konnte man an allen Ecken und Enden der Stadt Bayreuth Reklame-Plakate des Frankfurter Hütels „Kölner Hof" und am Schlüsse dieser Plakate die fettgedruckten Worte erblicken: „Jüdischer Besuch verdien". Am 25. Juli d. I. mutzten aber auf Deranlaffung des Bürgermeisters von Bayreuth, Herrn Dr. Casselmann, auf sämtlichen Plakaten die Schlußworte überklebt werden. co Karlsruhe i. B., 3. September. Das Mitglied des Gr. Oberrats der Israeliten in Baden, Geheimer Regienrngsrat Dr. Mayer? der dem großherzoglich badischen Verwaltungshofe angehörte, ist zum Vorsitzenden Rat dieser Behörde befördert worden. > Konstanz L. B., 1. September. Stadtrat a. D. Dagobert Friedländer, dessen bereits im Monat Juni erfolgtes Hinscheiden