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Im deutschen Reich · 1904-09-01 · Heft 9 (September 1904) · p. 489

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 9 (September 1904)
Article
Frankfurt a. M.
Date
1904-09-01
Page
489 (sequence 2)
Language
German
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Korresvondcnzen. 48;> feil folgendes Gesuch: „I)r. med. oder Cand. med. evang. Konfession, unverheiratet, mit bakteriologischen Arbeiten vertraut, wird zur Leitung milchwirtschaftlicher Arbeiten von einem größeren Inftitut gesucht. . . Dazu bemerkt die „Frankfurter Zeitung": „Welch ein Unglück für die Kühe oder deren Milch könnte entstehen, wenn dieser Bakteriologe katholischen oder gar jüdischen Glaubens wäre! Es wird immer schöner." Nun kommt die „Staatsbürger- Zeitung" mit der geistreichen Glosse: „Das Inserat ist ganz richtig erfaßt; es sollte die Bewerbung jüdischer Aerzte von vornherein ausgeschlossen sein. In einer größeren Milchwirtschaft ist vor allem die peinlichste Sauberkeit notwendig, und diese fehlt im allgemeinen den Mitbürgern Löb Sonnemannscher Raffe." Herr Bruhn kennt vielleicht die Sauberkeit als — peinlich, antisemitische Malice aber, „wenn auch von Asbest, ist niemals reinlich!" ± Kiel, 3. September. Die „Schlesw. Grenzpost" meldet: „In der Disziplinarsache gegen den Pastor Jacobjen in Scherrebek hat nach erfolgter Zeugenvernehmung und Verhandlung das Konsistorium wegen sittlicher Verfehlungen des Genannten die Entsetzung desselben aus seinem Amte, und zwar ohne Gewährung von Pension, beschlossen." Pastor Jacobsen war als antisemitischer Reichstagskandidat im Juni 1898 im Wahlkreise Schaumburg-Lippe, im Oktober 1898 im Wahlkreise Tondern aufgestellt. .. Hamburg, 1. September. Im Alter von fast 85 Jahren ist hier am 17. Juli der Schriftsteller Wilhelm Marr gestorben der vor Jahrzehnten durch seine antisemitischen Schriften Aufsehen erregte, aber mit der Zeit mit den antisemitischen Parteiführern zerfiel, schließlich ganz vereinsamte und in Vergessenheit geriet. Die Erkenntnis, seines verblaßten Ruhmes erzeugte in ihm in den letzten Lebensjahren eine tiefe Erbitterung, die durch eine fast dreijährige Krankheit noch gesteigert wurde. Daß der antisemitische Schriftsteller Wilhelm Marr in den letzten Jahren seines Lebens vor dem Treiben seiner Parteigenossen einen tiefen Ekel empfand, geht auch aus einem kürzlich von der „Berl. Ztg." veröffentlichten Schreiben Marrs hervor. Darin wird gesagt: „Ich bin ein alter Parteigänger, aber nie habe ich mehr Erzschelmenbande gefunden als unter den heutigen Geschäfts- Antisemiten. Das dürfen Sie privatim erklären, daß ich nach 30jährigem Jndenkrieg mich mit Ekel bis zum Erbrechen abwende von dem ganzen heutigen Gefchäftsschwindel-Antisemitismus. Ich werde diese Behauptung nicht widerrufen." Diese vernichtende Kritik der jetzigen Antisemiten-Bewegung hat deren Leiter nicht daran gehindert, wenn auch in recht gewundenen Nach-

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