Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Bonn
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 488 (sequence 2)
- Language
- German
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488 8m deutlchcn Reich. Begrüßungsabend aus der Kneipe'; tags darauf vereinigten sich die Festteilnehmer zu einem solennen Weinfrühschoppen; daran schloß sich das Festessen. Abends versammelte man sich zum Kommers, bei dom in verschiedenen Reden aus die Bedeutung des Festes hingewiesen wurde. Am Sonntag, den 31. Juli, fand bei günstiger Witterung ein Couleurbummel in Droschken durch die Straßen Bonns statt. Voranfuhr ein Chargierter derRheno-Silesia mit der Fahne, dann folgten noch zwei Chargierte der Rheno-Silesta, weiter die offiziellen Vertreter der Kartellverbindungen und schließlich die Gäste und Aktiven in Couleur. oo Frankfurt a. M., 1. September. Der „Kleinen Presse" ist aus Ems berichtet worden: „Am 7. August hat Herr Pfarrer Vömel hier in der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche eine Predigt gehalten, wie sie im Lande der Simultanschule selten gehört wird. Er führte unter anderm aus: „Wer mit den Juden innige Freundschaft hält, der ist kein Christ. Die Juden haben Jesus gekreuzigt. In Jerusalem und Palästina waren sie ein auserwähltes Volk, aber zufolge der Kreuzigung hat sie Gott gestraft, den Tempel zerstört, ihr Land verwüstet, und sie sind nachher selbst in großer Anzahl gekreuzigt worden. Die Christen müssen die Juden zum Christentum bekehren und die Missionäre, die vorläufig noch schwere Arbeit haben, unterstützen. Ein jeder möge deshalb in die draußen befindliche Büchse sein Scherflein werfen." — Dazu bemerkt die »Kleine Presse": „Ganz abgesehen von dem Unwert der Vömelschen Geschichtsauffassung verstößt eine solche Predigt so sehr gegen alle Toleranz, daß sie nicht nur die moderne, sondern auch die' wahrhaft christliche Richtung entschieden verletzen muß. Ein Geistlicher, der die Freundschaft zwischen Christen und Juden verwirft, schädigt geradezu die staatsbürgerliche Gemeinschaft." — Ein hiesiges Central-Vereins-Mitglied, welches in den letzten Wochen in Ems verweilte, ergänzt diesen Bericht durch nachstehende Mitteilung: „Bei einem Wohltätigkeits-Konzert, welches der „Vaterländische Frauenverein" kürzlich im Kursaale zu Ems veranstaltete, gelangten anüsemitische Dichtungen zum Vortrag, was viele Juden, die Karten gelöst und Geschenke gestiftet hatten, veranlaßte, den Saal vor Beendigung des Festes zu verlassen. Der Vorgang macht es den Betreffenden glaubhaft, daß, obgleich Ems ein internationaler Badeort ist, dort zwar im Sommer aus geschäftlichen Gründen der Antisemitismus nur zeitweise durchsickere, im Winter aber offen zu Tage trete." — Der „Frankfurter Zeitung" wird geschrieben: „In der »Deutschen Medizinal-Zeitung" Rr. 66 findet sich im Annoncen»'