Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Von geschätzter Seite
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 448 (sequence 2)
- Language
- German
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448 Im deutschen Reich. der seit einigen Jahren im Hochgebirge kreuz und quer gewandert ist hat bemerkt, daß mancher Christ, der bei einer Besteigung oder beim Marsch zu ihm gestoßen ist und, nicht ahnend, daß er es mit einem Juden zu tun hatte, sich anfangs als Antisemit erwiesen hat, im Laufe des gemeinsamen Zusammenseins sich als liebenswürdiger Mensch entpuppte. Es hatte ihm eben nur vorher an Gelegenheit gefehlt, einem Juden einmal etwas näher zu treten. Ich habe natürlich niemals ein Hehl aus meinem Glauben gemacht, solchen vielmehr bald rinauffällig betont und gerade damit auf beiden Seiten völlige Unbefangenheit geschaffen. Ich habe aber dabei auch Gelegenheit gehabt, mich selbst an der kindlichen Freude am Schönen sowie an der Genügsamkeit, die besonders dem deutschen Christen eigen sind, zu erfreuen, während ich bei aller Bescheidenheit überzeugt bin, andererseits ein Scherflein zum gegenseitigen Verständnis der beiden Rassen beigetragen zu haben. Also auf zum Turnsaal und ins Gebirge! Bei körperlicher Uebung, beim gemeinsamen Kampf mit den Elementen, bei Hunger, Durst und Gefahren fällt die häßliche Maske der Intoleranz und Ueberhebung, und man lernt gegenseitig den Menschen im Menschen kennen und schätzen!" — ES liegt in diesen Ausführungen sicher viel Wahres; jedenfalls ist es verfehlt, in jedem Christen einen Antisemiten zu vermuten und ihm deshalb mit Mißtrauen zu begegnen. Auch das muß einem Juden Befriedigung gewähren, wenn sein Verhalten einen Antisemiten zwingt, seinen Antisemitismus zu verleugnen!' Mcherschau. Der Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur, dessen Jahrbuch der Empfehlung nicht mehr bedarf, konnte im Dezember 1903, in dem das Jahrbuch für 1904 samt den damit vereinigten „Mitteilungen" abgeschloffen wurde, auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken. Charakteristisch ist das Wachstum der dem Verbände angehörenden Vereine, über das der bekannte Vorsitzende des Berliner Vereins, Gustav Karpeles, auf einer am 21. Mai 1903 ftatt* gehabten Konferenz folgendes mitteilte: „Als der Verband der Vereine begründet wurde im Dezember 1893 in Hannover, zählte er 27 Vereine; am zweiten Verbandstage 1897 waren bereits 80 Vereine angeschloffen, 14 in Vorbereitung. Heute hat der Verband 180 Vereine