Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- O. J., Heilbronn
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 447 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
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Briefkasten der Redaktion. 44f Hamburger Kaffee-Importgeschäft, hier, Offerte machen. Der Vertreter Ließ sich bei dem Geschäftsführer der Firma Tengelmann melden. Der junge Mann der Fa. Tengelmann kam mit dem Bescheid aus dem Privat-Kontor zurück: „Wir kaufen nicht von Juden!" Welche Konsequenzen wi: Juden gegenüber der Firma Tengelmann, die auch offene Verkaufsläden unterhält, zu ziehen haben, dürfte nach dem Vorgetragenen klar sein. W. (?., Wien. Daß das . Grazer Tagblatt" den Vorfall in Odessa mit der Überschrift „Die jüdischen Moralbegriffe" veröffentlicht, erklärt sich nur durch antisemitische „Begriffsstutzigkeit". Vor den Odestacr Geschworenen hatte nämlich Br. Marchotzky, der dem wegen Raubes Angeklagten Moses Rosenberg beigegebene Verteidiger, als Milderungsgrund angeführt, daß nach jüdischen Begriffen die Erlangung eines Vorteils auf unrechtmäßigem und unmoralischem Wege durchaus nicht zu den verpönten Dingen gehöre. Dieser raffenantisemitische Anwalt hatte deshalb die Geschworenen aufgefordert, der erblichen Belastung des Angeklagten Rechnung zu tragen. Da aber der Vorsitzende des Gerichtshofes diese Beweisführung des Verteidigers als „für die Juden beleidigend^ zrnückwies, hätte das Grazer Blatt eigentlich — wenn es nicht selbst durch Rasienhaß angesteckt wäre — seinem Bericht die Ueberschrift „Ein nicht vom Rassenvorurteil zu beeinflussender Gerichtsvorsitzender" geben muffen. _ Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: „Erstrebenswert wäre es, Deutsche jüdischen und christlichen Glaubens unaufdringlich und ungezwungen nahe zu dringen, daß sie einander erst wirklich kennen lernen und dadurch alte Vorurteile fallen lasten. Ein solches Annäherungsmoment bildet außer dem Turnen, das, auch schon vom gesundheitlichen Standpunkt aus empfehlenswert, einen innigeren Anschluß vermittelt, die Sommerfrische, — nicht etwa das Mode- und Luxusbad, wo im Gegenteil ein meist übertriebener Aufwand nur Unstimmigkeiten erzeugt, sondern die um ihrer selbstwillen aufgesuchte freie Gottesnatur; ich habe insbesondere die bayerischen und österreichischen Alpen im Auge, wo man unter Abstreifung der heimatlichen Etiquette nur seiner Erholung lebt. Wer jemals als Tourist, den Rucksack auf dem Rücken, in die Berge gezogen ist, versteht nicht mehr, wie man sich in Modebädern — wenn man nicht als Kranker an ein bestimmtes Bad gebunden ist, erholen soll. Mit der Touristenjoppe schwinden aber auch Klaffen und Raffenunterschiede. Schreiber dieses,