Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- M. S., Berlin
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 444 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Im deutschen Reich. die Absicht gehabt, uns an diesem zu reiben. Der Mann, der an nichts glaubte, dem nichts heilig war, der schon vor zwanzig und mehr Jahren antisemitische Neigungen zur Schau trug, der lediglich seinem Vergnügen nachging, der auch von niemandem politisch oder sonstwie ernst genommen wurde, der sollte uns politisch bedeutend genug erschienen sein, um ihn zu bekämpfen?" — Wenn ein Anderer seine „Berufung" derartig begründen wollte, würde das Äntisemitenblatt wahrscheinlich schreiben: „Wie's trefft!" D. R., Berlin. In dem vorigen Hefte dieser Zeitschrift haben wir auf Seite 360 die Manipulation der antisemitischen Gründer der verkrachten »Hannoverschen Landesbank" gekennzeichnet. Mit Erlaubnis des in Hannover wohnhaften Verfassers der in den „Mitteilungen a. d. Ver. z. Abw. d. Antis." veröffentlichten „Nachträglichen Bemerkungen zu dem Prozeß der Hannoverschen Landesbank" ergänzen wir unseren Bericht durch die nachstehenden charakteristischen Personal-Notizen: „Da ist der Apotheker Oehlmann aus Wülfel bei Hannover, der seit Beginn dcr antisemitischen Bewegung der eigentliche Macher hinter den Kuliffen war. Selbst aktiv hervorzutreten, dazu fehlte es ihm nun doch an der nötigen Begabung. Aber war dies auch Herrn Oehlmann nicht vergönnt, so hat er doch alles getan, um den Antisemitismus in Hannover auf die Beine zu bringen, ja, man kann sagen, daß er und der Buchdruckereibesitzer Westen die Leute waren, welche die Maschinerie dirigierten. Oehlmann war es, der die fremden Gäste hier einiührte, von Liebermann bis zu Leuß, von Hammerstein bis zu Ahlwardt, von Stöcker bis zum Pastor Jskraut. dem Held der Schlacht von Spenge. Oehlmann war es, der am Präsidententische die Verhandlungen eröffnend, stets erst die „deutsche Treue", welche die braven Antisemiten allein gepachtet hatten, in rühmenden Worten verkündete, um dann das Kaiserhoch daran zu schließen. Oehlmann war es, der zu Weihnachten auf den Straßen Hannovers Flugblätter mit der Aufforderung verteilen ließ: „Deutsche Frauen, kaust nicht bei Juden, denn bei den letzteren ist nur Schwindel und Betrug und ihr seid in jedem Falle die Angeführten." Und dieses Muster deutscher Treue, Biederkeit und Ehrlichkeit, mußte sich vom Gericht attestieren lassen, daß er die Leichtgläubigkeit und Unerfahrenheit von Hunderten gemißbraucht hat. Oehlmann war es, der die Korrespondenz mit dem Direktor der gleichfalls antisemitischen Gewerbebank in Hamburg geführt und diesen beschworen hatte, das Geld, welches bei der Begründung in Bar vor dem Notar aufgewiesen werden mußte, wenigstens für die eine Stunde herzugeben. Fast darf man es deshalb als eine