Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Köln a. Rh.
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 433 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 433 verstehen, dessen Hauptzweck hauptsächlich aus Gewinnerzielung gerichtet ist. Dieser Zweck soll aber bei dem hier frag!. Betriebe nicht erstrebt werden, die Synagogengemeinde hat vielmehr, um die Ausübung eines rituellen Brauches besser zu überwachen und Mißbräuche, wie sie früher bei dem freien Wettbewerb bestanden, zu verhüten, den Betrieb des Schlächtergewerbes selbst in die Hand genommen. Die von der Staatsanwaltschaft gegen dieses Urteil eingelegte Revision rügt, daß der Vorderrichter nicht festgestellt habe, ob die Angeklagten nicht mit der Möglichkeit einer späteren Gewinnerzielung gerechnet hätten. Das Rechtsmittel hatte jedoch keinen Erfolg. Der Strafsenat des Kölner Oberlandesgerichts verwarf in feiner heutigen Sitzung die Revision der Staatsanwaltschaft, indem er die Urteilsgründe des Vorderrichters in allen Teilen für zutreffend erklärte, und keinen Rechtsirrtum bei denselben festftellte. .— Aus Anlaß der feierlichen Einweihung der Pfarrkirche in Jülich durch den Kardinal und Erzbischof vr. Antonius Fischer fand dort im Glareminschen Saale ein Festmahl statt, an welchem sich die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden beteiligten. Wie die „Kölner Volkszeitung" berichtet, hi-lt Herr Kardinal Fischer die erste Tischrede und dankte zunächst der Bürgerschaft und besonders den Vertretern der Stadtverwaltung für den ihm zuteil gewordenen herrlichen Empfang. Er freue sich, daß die Katholiken, Protestanten sowie die Israeliten in Jülich so einmütig Zusammenarbeiten, und hoffe, daß ein solch' schönes Verhältnis immer in Jülich herrschen werde. München, 4. Juli. Das von dem hiesigen Antisemitenführer Wengg herausgegebene „Deutsche DolksblaLL" schreibt über die traurige New-Aorker Schissskataftrophe: „Das ganze Schiffsunternehmen stellt eine nichtswürdige, bodenlosleichtsinnige und gewissenlose Spekulation zum Geldmachen dar, welche der Staat durch seine korrumpierten Beamten unterstützt. Und dieses durch und durch kapitalistisch verseuchte und regierte Amerika stellt für die Spitzen Deutschlands das Jdealland dar, und die englisch-jüdische Bande, die es beherrscht, wird von den deutschen Prinzen drüben besucht und geehrt und in Deutschland mit fürstlichen Ehren empfangen". Die Tatsache, daß Roosevelt, Danderbilt und die Besitzer des verunglückten Schiffes keine Juden sind, ist Herrn Wengg natürlich genau bekannt, ihm aber gleichgiltig, da er es für seine Antisemiten- Pflicht hält, keine Gelegenheit zu versäumen, auf die Juden zu schimpfen und die ^Spitzen Deutschlands" mit einigen Bosheiten zu bedenken.