Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Sorau
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 428 (sequence 2)
- Language
- German
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428 Zm deutschen Reich geteilt, daß sich die Svnagogen-Gemeinde bereit erklärt habe, etwaige neuere Vorrichtungen bei Ausübung des Schächtens auf eigene Kosten im Schlachthofe ausführen zu lasten. In der Debatte wurde betont, daß auf einen Ritus keinerlei Rücksicht zu nehmen sei, wenn er gegen die Gesetze der Humanität verstoße, daß aber die Angelegenheit noch zu wenig geklärt erscheine. Stadtverordneter Fellenberg teilte mit, daß der Verein der deutschen Schlachthostierärzte im Herbst sich erneut mit dieser Frage beschäftigen werde und von einer definitiven Stellungnabme deshalb z. Zt. noch Abstand genommen werden könne. Stadtverordneter Gericke schlug vor, vorläufig abzuwarten, ob nicht allgemeine für die ganze Monarchie giltige gesetzgeberische Maßnahmen in dieser Angelegenheit erfolgen würden. Gegenüber weiteren Vorschlägen auf Vertagung entschied sich die Mehrheit der Versammlung schließlich für vorläufige Ablehnung des Antrags auf Einführung eines Schächtverbots. vr. G., Bernstadt in Schlesien, 2. Juli. Zur Geschichte der Aufnahme von Juden in die deutsche Burschenschaft erlaube ich mir Folgendes zu bemerken: Der Allgemeine deutsche Burschenbund, A. D. B., gegründet im Anfang der achtziger Jahre durch Geheimrat vr.. Konrad Küster, hat. vom Beginn feines Bestehens an bis auf den heutigen Tag als einziger couleurtragender Verband die jüdische Konfeffion nicht als Hinderungsgrund zur Aufnahme betrachtet. Grade die antisemitische Bewegung war es seiner Zeit, die die stärksten Bundes-Verbindungen, die Greifswalder und die Tübinger, aus dem Bunde ausscheiden lieh, weil aus dem Bundestage stets, nicht nur in der Theorie, der Grundsatz konfessioneller Gleichberechtigung zum Ausdruck kam. Und grade der Umstand, daß sich der A. D. B von der herrschenden, antijüdischen Strömung nicht mitreißen ließ, hat es zum großen Teil mitverschuldet, daß es dem Bunde nur schwer gelang, sich zu behaupten und seine mensurfeindliche Tendenz in weiteren Kreisen zu vertreten. Wurde ihm doch grade fein judenfreundlicher Standpunkt als Schandfleck angerechnet oder wenigstens von den Korporationen vorgeschoben, die sonst die Grundsätze des Verbandes billigten. Und so zeigt sich in dem Werdegang des A.D.B.. der jetzt in Berlin mit sechs Burschenschaften vertreten ist, daß bei energischem Einwirken der Alten Herren und gutem Willen der Aktiven sehr wohl ein studentischer Verband sich halten ünd entwickeln kann, der es sich nicht zur Schande anrechnet, Juden zu feinen Mitgliedern zu zählen, im Gegenteil stolz darauf ist, allein auf deutschen Universitäten diesen liberalen Standpunkt auch praktisch zu vertreten. — Zum Artikel, die »Juden im Heere" teile ich Nachstehendes mu;: