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Im deutschen Reich · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. 375

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
22. Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin [Rezension]
Date
1904-06-01
Page
375 (sequence 2)
Language
German
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Vücherschau. 375 beschichte und fiitcvatur 1900 75 ff zuerst erschienen ist. nicht auch als Sonderdruck veröffentlicht) Eschelbacher: Die Vorlesungen Ad- Harnacks über das Wesen des Christentums. Breslau 1904 S. Schreiner: Die jüngsten Urteile überdas Judentum Berlin 1902. Ihnen reiht sich würdig die oben genannte Schrift von Elbogen an, die aus Vorlesungen entstanden ist, die der Verf. unter dem Titel ,Die Religion der Pharisäer" im Sommersemester 190Z für Studenten aller Fakultäten an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Juden tums gehalten hat. Verf. durfte mit Recht erwarten, daß man „bei dem weit verbreiteten Interesse für den Gegenstand und dem Mangel an Darstellungen des pharisäischen Judentums, die von dem Einfluß der neutestamentlichen Vorurteile sich frei gehalten haben", ihm dankbar sein würde, wenn er einen Teil der Vorträge durch den Druck einem weiteren Kreise zugänglich machte. Die Beurteilung der Pharisäer leidet wohl am meisten darunter daß man von jeher gewöhnt ist, sie nach der Darst^ung des Neuen Testaments aufzufassen. Man übersah dabei ganz, daß diese Quellen unmöglich unparteiisch sein konnten. Waren sie doch Ankläger und Zeugen zugleich in dem Prozeß, der den Fortschritt aufweisen sollte, dm die vermeintlich neue Lehre gegenüber der alten bedeutete. In demselben Maße, in dem es gelang, den Pharisäern (diese waren zur Zeit Jesu die geistigen Führer und Lehrer des jüdischen Volkes) alle echte Sittlichkeit und wirkliche Religiosität abzuerkennen, hob sich in glänzendem Gegensatz die Bedeutung Jesu und seiner Jünger. Verfasser weist nach, daß trotz dieser Tendenz der neutestamentlichen Schriften diese selbst Zeugnis davon ablegen, daß zur Zeit Jesu die Bezeichnung Pharisäer durchaus nicht den üblen Nebenbegriff hatte, den sie eben durch diese Schriften bekommen hat. Der Apostel Paulus bekennt sich (ebenso wie der Jude Josephus) als Pharisäer und eines Pharisäers Sohn; auch andere Jünger gehörten zu den Pharisäern, und Matthäus Kapitel 23, 3 wird dem Volke und dem Jüngern gepredigt: „Alles, was die Pharisäer euch sagen, daß ihr es halten sollt, das haltet und tuet es"; also ihre Lehre wenigstens wird hier von Jesus approbiert. Von dem Gebot der Nächstenliebe, das Juden und Christen als das oberste der Gebote ansehen, spricht Jesus nur zweimal, in der Auseinandersetzung mit Pharisäern, und es findet beide Male die vollste Übereinstimmung über den Umfang des Gebotes statt. Die Nächstenliebe erscheint im ganzen Neuen Testament stets als Gebot des alten Bundes. Wäre es richtig, daß Jesus unter dem Begriff des Nächsten etwas ganz anderes verstanden hätte als die Juden seiner Zeit, dann hatten er und die Apostel auf den neuen Sinn des

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