Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- L. H. Danzig
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 374 (sequence 2)
- Language
- German
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374 Im deutschen Reich. nach dem großen Konihprozesse aus." — Diese Bemerkung ist charakteristisch! Das AntisemitenbLatt bezichtigt einen harmlosen, unschuldigen Mann ohne irgendwelche Spur eines Beweises der Mittäterschaft an einem gemeinen Morde, und würde ihm sicher, wenn er darauf nichts veranlaßt hätte, dies als Schuldbekenntnis ausgelegt haben. Klagt er, dann handelt es sich nur um eine ^geringfügige PrivaLklage", und der Verleumder verkriecht sich hinter seiner Immunität als Abgeordneter. Bei der Geschüftshandhabung des Reichstages hatte er dabei leider keinen Mißerfolg zu befürchten. M. L. Königsberg. „Ueber die gegenwärtige Lage der völkischen Bewegung"' hat kürzlich in Berlin, in der „Ortsgruppe Berlin des Jungdeutschen Bundes" der Schriftsteller Nickol einen Vortrag gehalten, an den sich eine freie Aussprache schloß, bei welcher Professor vr. Paul Förster und Rektor Ahlwardt die Uneinigkeit der antisemitischen Parteien beklagten und Ahlwardt die Absicht kundgab, wieder in die politische Arena zu treten. Die Lorbeeren Pücklers und die 20 Pf.-Entree-Einnahmen scheinen seinen Schlummer zu stören. Kncherfchau. 22. Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Mit einer wissenschaftlichen Beilage von Dr. I. Elbogen: DieRcligionsanschauungderPhmisäeimitbesonderer Berücksichtigung der Begriffe Gott und Mensch. — Berlin 1904. Dem Radaucmtisemitisinus der 80 Jabre, der allenfalls im Grafen Pückler einen traurigen Epigonen hat. ist der „wissenschaftliche" gefolgt. Männer wie Treitschke und Paulsen, Harnack und Bousset versuchten, die Minderwertigkeit der Juden und des Judentums wiffenschaftlich zu begründen. Und mochten diese wissenschaftlichen Gründe auch, wie z. B. bei Chamberlain, nur auf glänzenden Phrasen oder einer bunt zusammengewürfelten Gelehrsamkeit beruhen, ja oft sich selbst widersprechen, der blendende Stil oder gar die angebliche Zustimmung einer höheren Stelle schafften solchen Schriften einen weiten Leserkreis und damit die Gefahr, daß schiefe und falsche Urteile über das Judentum immer mehr Boden gewannen, ja sogar in unfern eigenen Reihen Verwirrung stifteten. Zum Glück haben die Männer der jüdischen Wiffenschaft diese Gefahr erkannt und den Kampf ausgenommen. Ich erinnere an die Schriften von Co Yen: Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und, Mensch (leider ist diese Abhandlung, die im Jahrbuch der Vereine für jüdische