Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- B. St., Berlin
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 372 (sequence 2)
- Language
- German
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372 Im deutschen Reich. Kaufmann Leopold Jacob, der übrigens zwölfmal wegen ähnlicher Ausschreitungen vorbestraft ist und sich selbst als Alkoholiker und Opfer seines unglücklichen Temperaments bezeichnet^ ein Jude sei — weil er „Jacob" heißt und weil die „Staatsbürger-Zeitung" und die ,Deutsche Tageszeitung" dem Bericht die Ueberschrift: „Ein Jude mit unglücklichem Temperament" gegeben haben? Schöner Grund! Von den Hunderten, die in Berlin den Namen „Jacob" führen, sind mindestens neun Zehntel Christen; ein zwölf mal wegen Ausschreitungen bestrafter „jüdischer Alkoholiker" aber wäre reif fürs Panoptikum. Wie zähe die „Staatsbürger - Zeitung" das „Geschäft" betreibt, jeden der sich mißliebig macht, zum Juden zu stempeln, zeigt nicht nur der in unserm vorigen Heft mitgeteilte Briefwechsel, den nichrjüdischen Metzger Klau ür Gütersloh betreffend, sondern auch die Unverfrorenheit des Annfemüenblattcs, am 11. Mai eine Notiz über die wiederholte Bestrafung des Militärstrafgefangenen Goldmann in Spandau, von dem ihr mitgeteilt wurde, daß er nicht nur protestantischen Bekenntnisses, sondern auch als Christ geboren ist, mit der Ueberschrift zu versehen: „Für Herrn Eickhoff in's Stammbuch!" H. H., Charlottenburg. Der Artikel der „Neuen Zeit" berichtet unter der Ueberschrift „Sonderbare Antisemiten", daß der deutsch konservative Vertreter des Kreises, Rentner Hammer in Zehlendorf s. Z. die Wahl des jüdischen Leinenhändlers Le^ermann zum Handelskammermitglied durchgeseht, außerdem selbst ebenso wie der Antisemit Mannes in einer Versammlung eines von dem Kommerzienrat Lissauer geleiteten Vereins einen Vortrag gehalten hat, daß ferner die Wortführer der Wilmersdorfer „Rathauspartei" Frankmann und Dr ese sich zwar als Antisemiten gebehrden, sich aber von dem jüdischen Direktor der Berliner Bodengeseüschaft Forensen-Vollmachten verschafft hätten, um diese Stimmen gegen den Liberalen-Verein in die Wagschale zu werfen. Für diese Behauptungen können wir keine Gewähr übernehmen;'richtig ist aber jedenfalls die weitere Bemerkung des Charlottenburger Blattes: „Die edelste Gesmnungctirchtigkeit findet man aber in der „Staatsbürger-Zeitung", der „Kreuzzeitung", der „Deutschen Tageszeitung". Diese Blätter bringen vorn im redaktionellen Teil die schwungvollsten Artikel gegen die Juden, gegen die jüdischen Warenhäuser und dergl. und hinten im Anzeigenteil bringen sie große, fettgedruckte Empfehlungen jüdischer Geschäfte, darunter auch jüdischer Warenhäuser und Versandgeschäfte". N. S., Magdeburg. Der dortigen antisemitischen „Sachsenschau" entnehmen wir über eine der Hauptstützen des antisemitischen „Deutschen Volksbundes"' die Nachricht, daß für die Grundstücke des früheren