Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- G. M., Berlin
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 371 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten der Redaktion. 37! beschmiert mit Redensarten wie: „Jeder Jude ist ein Schwein." Als vor wenigen Jahren Herr Schaurig der Besitzer des Berliner „Monopol- Hotels'' die Pachtung des Kurhauses von der Stadt Swinemünde übernahm, fand er in dem Aussichtsturm dieses Etablissements ähnliche Schmierereien vor. Sofort Ließ er sie entfernen und brachte ein Plakat an, daß das Beschreiben der Wände verboten sei und gcrichtlich verfolgt werden würde. Vielleicht bedarf es nur dieses Hinweises, und die Stadt Swinemünde läßt sich inbezug auf Takt nicht vom Pächter ihres Kurhauses beschämen. Die alten Inschriften, die jeden anständigen Menschen anekeln müssen, sollte man entfernen und durch geeignete Plakate und genügende Aufsicht dem Unfug steuern." C. S. Berlin. Wie die Dinge nun einmal liegen, halten wir es für unsere Pflicht, unbemittelte jüdische Studierende vor dem Chemiker-Berufe zu warnen. Die Leiter der chemischen Fabriken bekennen zwar selten, daß sie jüdische Chemiker nur wegen ihres religiösen Bekenntnisses nicht anstellen, weisen aber jüdische Bewerber um vakante Stellen regelmäßig ab. In dem Sprecksaal der „Allg. Ztg. des Judentums" vom 6. Mai ist es als „Gemeinheit" bezeichnet worden, „daß eine Reihe deutscher chemischer Fabriken keine jüdischen Chemiker einstellen, trotzdem dieselben oft die besten Empfehlungen und Zeugniffe haben". Der Einsender jenes Artikels nennt unter diesen, jüdische Bewerbungen grundsätzlich ablehnenden Firmen: die „Badische Anilin- und Sodafabrik" in Ludwigshafen a Rh., E. M. Haim in Hannover, Jänecke & Schneemann in Hannover, H. & C. Albert in Biebrich a. Rh. und der Verein für chemische Industrie in Frankfurt a. M. Dabei soll die Ludwigshafener große Fabrik ihre Blüte dem Mannheimer Chemiker, Hofrat Caro verdanken, übrigens auch das Farbwerk Höchst, das auch durch einen Juden in die Höhe gekommen ist, sich jüdischen Bewerbern verschließen. Auch in der Fabrik „Electron" in Griesheim scheint kein einziger Jude Anstellung gefunden zu haben. Dafür, daß zuweilen auch jüdische Fabrikanten christliche Chemiker bevorzugen, weil sie die spätere Konkurrenz befürchten, gibt es keine hinreichend scharfe Bezeichnung, denn die jüdischen Chemiker leisten durchschnittlich mindestens dasselbe wie Andersgläubige. Tatsache ist es aber, daß viele derselben infolge des ungerechten Vorurteils stellenlos bleiben oder in Untersuchungs-Laboratorien schlechte oder unbesoldete Stellungen einnehmen. Von diesem Berufszweige gilt mehr als von jedem andern: Cavete! B. St.» Berlin. Sie nehmen also ohne weiteres an, daß der von der vierten Strafkammer des Berliner Landgerichts I wegen Beleidigung und Körperverletzung zu zwei Monate Gefängnis verurteilte