Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Einer für Viele
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 370 (sequence 3)
- Language
- German
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370 Im deutschen Reich. S. 399 des vorigen Heftes haben wir unter den Erholungsorten, in denen jüdische Besucher nicht willkommen sind, auch das Hotel Schröder, genannt Villa Flora in Neuenahr mit aufgeführt. Dies hat den Besitzer des Grand Hotel Flora in Neuenahr veranlaßt, uns Folgendes zu schreiben: „Hierdurch ersuche ich Sie, auf Grund des Preßgesetzes die in Ihrer, „Im deutschen Reich" betitelten Zeitschrift enthaltene Notiz über mein Hotel zu Widerrufen, da dessen Inhalt der Wahrheit nicht entspricht. Es wäre mir lieb, wenn Sie mir den Einlieferer dieser Notiz namhaft machen wollten, damit ich denselben fassen kann. Ich sehe der Zusendung eines Belegeexemplars enthaltend Ihren Widerruf, entgegen und zeichne hochachtend Franz Schröders — Wir nehmen gern davon Kenntnis, daß sich Herr Franz Schröder gegen den Vorwurf antisemitische Gesinnung verwahrt und bemerken nur, daß die „Hildburgh. Dorfzeitung" bereits am 9. Juni 1901, die „Staatsbürg. Zeitung" am 11. Juni 1901, die „Tägliche Rundschau" am 12. Juli 1901 die „Villa Flora" unter den antisemitischen Hotels mit aufgeführt haben. ©. M., Berlin. Es ist bei den sich vielfach widersprechenden Aeußeru.ngen über die von unseren Glaubensgenossen in den verschiedenen Erholungsorten gemachten Erfahrungen ungemein schwer, mit Sicherheit festzustellen, welche dieser Orte mit Fug und Recht als antisemitisch zu bezeichnen und deshalb von unfern Glaubensgenossen zu vermeiden sind. In keinem Falle möchten wir unsere im vorigen Hefte veröffentlichte Liste durch Angabe solcher Badeorte ergänzen, die nur in antisemitischen Blättern als zur Domäne der judenfeindlichen Parteien gehörig empfohlen werden. So wenig man die Stadt Frankfurt a. M. es entgelten lassen kann, daß dort der vereinzelte antisemitische Hotelier Laaß mit seinem „judenfreien Kölner Hof" sein Unwesen treibt, braucht man Cuxhaven deshalb zu vermeiden, weil der Besitzer des dortigen Nordsee-Hotels Eduard Piller sich als Nachahmer des Herrn Laaß erweist. Herr Piller wird hoffentlich sehr bald in dieselbe Notwendigkeit verseht werden, die einzelne gleichgesinnte Kollegen an anderen Erholungsorten veranlaßt hat, sich gegen die Bezeichnung ihres Etablissements als „antisemitische förmlich zu verwahren. Sehr wünschenswert wäre aber, wenn von den Behörden einem Unfug gesteuert würde, der in vielen Badeorten noch ungehindert gelitten wird. Wir meinen den Unfug, über den sich ein Besucher von Swinemünde in einem Schreiben an die „ Mitteilungen a.d.D.z.A.d.A." beklagt: „Auf dem Seesteg befindet sich ein Aussichtsturm, in 'dessen Innern es von antisemitischen Insulten wimmelt. Die Wände sind