Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Leipzig
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 364 (sequence 1)
- Language
- German
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364 Im deutschen Reich. r-: Leipzig. Der neunte Berbandstag des Verbandes der Tierschutz-Vereine des deutschen Reichs hat am 25. v. M. einen Antrag des Vereins zu Hilchenbach beraten, bei der Reichöregierung wegen obligatorischer Einführung der Betäubung aller Schlachtiere vor der Blutentziehung, die einem Verbot desSchächtens gleichkommen würde, vorstellig zu werden. Es ist darum mit Befriedigung zu begrüßen, daß der Antrag trotz der eindringlichen Begründung des Referenten, des Lehrers Carl Krämer-Hilchenbach, abgelehnt worden ist. Im Verlaufe der lebhaften Debatte bestritt Herr Krämer-Hilchenbach die religionsgesetzliche Verbindlichkeit des Schächtens; diese ist zwar wiederholt von sämtlichen Rabbinern beteuert worden, aber was bedeutet das gegenüber der Tatsache, „daß der Erzvater Isaak sich von Esau geschossenes, also nichtgeschächtetes Wild bringen ließ!" Man kann sich denken, welchen Eindruck diese „theologische Weisheit" des Lehrers von Hilchenbach auf die Versammlung machte! Auch die Beweiskraft der zu Gunsten des Schächtens abgegebenen Gutachten bestritt er und behauptete, daß sie von anderen, entgegengesetzt lautenden, überholt seien. Zunächst trat Kreistier, arzt Sosna-Bremen dem Anträge entgegen, indem er vor einer religiösen Vergewaltigung der Juden warnte, „in denen wir unsere Brüder zu erblicken haben, wie in allen anderen Menschen", und dann betonte, daß das Schächten eine Tierquälerei nicht bedeute, zu einer Beschränkung dieser Schlachtmetode keine Veranlassung vorliege. Sodann ergriff Rabbiner vr. Cohn-Kattowitz, als Vorsitzender seines Ortsvereins das Wort, um den Antrag in streng sachlicher Weise zu bekämpfen. Gegen den Antrag sprachen noch Oberrealschullehrer Knop-Königsberg i. Pr. und Pfarrer Schwarz- Schwerin i. M. Letzterer teilte dabei mit, daß der Großherzog von Mecklenburg den Eingriff in die freie Religionsübung der Juden entschieden zurückgewiesen habe. Vergebens bemühten sich der Redakteur des Berliner „Vereins zum Schutze die Tiere", Magnus Schwantge und einige seiner Gesinnungsgenossen, den Antrag zu retten; er wurde in doppelter Abstimmung mit nahezu Zweidrittel-Mehrheit abgelehnt. «> Fürth, 2. Mai. Von der großen Wertschätzung, welcher sich der im Alter von 67 Jahren hier verstorbene Kommerzienrat Simon Fränkel erfreute, gab das imposante Leichenbegängnis Zeugnis. Am Grabe sprachen Rabbiner Dr. Neubürger, der Direktor der Israel. Realschule, vr. Feilchenfeld und' Vertreter von etwa zwölf gemeinnützigen Vereinen, denen der Verstorbene angehört hat. Die Israel. Realschule, deren Vorstand der Heimgegangene über 25 Jahre angehörte, veranstaltete ihm zu Ehren noch eine besondere Gedächtnisfeier.