Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Hannover
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 361 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 3 öl gebnis des Prozesses gegen die Geschäftsleitung der Hannoverschen Landesbank, die nach dem Zugeständnis der „Antisem. Korrefp.", eine ausgesprochenene antisemitische Gründung war." Mit Recht hebt in einem Epilog zu diesem Prozeß eine Zuschrift an den „Hann. Cour." den Ratschlag hervor, welchen der Direktor Schumann seinen Kunden gegeben hat, indem er ihnen, als sie nicht gleich anbeißen wollten, mit dem Hinweis zuredete, sie könnten ja nur verdienen, da sie bei eintretendem Verluste der Bank gegenüber den Differenzeinwand geltend machen könnten. Dieser Manipulationen bediente sich derselbe Herr Schumann, der seinerzeit für die „Hann. Post" finanzpolitische Artikel schrieb, in denen mit sittlicher Entrüstung das Börsenspiel, die Orgien der Spekulation und ähnliches gegeißelt wurden. Die Geschichte der Hannoverschen Landesbank hat aufs neue den Beweis erbracht, daß man allen, welche Politik- und Religionsfragen als Aushängeschild für ihre Geschäfte benutzen, nicht über den Weg trauen soll." Das „Berliner Tageblatt" sagt von dem Aufsichtsratsmitglied Dr. Theodor Lindström, einem bekannten antisemitischen Agitator und Hauptgründer der Bank, der im Prozeß als Zeuge auftrat, nach Schluß des Prozesses aber abends in seinem Hotel tot aufgefunden wurde: „Angeblich ist er an einem Gehirnschlage gestorben." >< Hanau a. M., 3. Mai. Wie der Stadtverordnete Hoch in der am 28. v. M. hier stattgehabteu Stadtoerordnetensitzung mitteilte, hat der hiesige Volksschullehrer Ohl zwei Sckülerinncn der 2. Klaffe der Volksschule, die während des Unterrichts mit einander gesprochen halten, zur Strafe zehnmal den Satz schreiben lassen: „Das Sprechen während dem Unterricht, ohne gefragt worden zu sein, ist judenschrckselmäßig!" _ (Ucbrigens ein klassisches Deutsch!) Die Stadtverordneten würdigten diese Leistung durch Pfuirufe, und der Oberbürgermeister erklärte, daß auch im Magistrat Entrüstung über diesen Fall herrsche, der gründlich untersucht werden würde. -l- Gotha, 1. Juni. Die „Gothaische Zeitung^ berichtete über die am 11. v. Mts. vollzogene Einweihung der hiesigen neuen Synagoge: „Auf dem Vorplatze des neuen Synagogenbaues war ein Zelt errichtet, in dem sich Vormittag nach 11 Uhr, begrüßt von dem Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, die geladenen Ehrengäste einfanden. Mit Herrn Oberbürgermeister Liebetraut an der Spitze waren Vertreter des Stadtrats und der Stadtverordneten erschienen, weiter Herr Oberhofprediger Scholz, der Pfarrer der katholischen Kirche, Herr Unkraut, der Geistliche der englischen Gemeinde, Herr