Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Dr. R. Hamburg
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 303 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 303 Darlegungen des Herrn Vortragenden entfesselten einen wahren Sturm der Begeisterung. Dann schilderte der Vorsitzende des Central-Dereins- Vorstandes, Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz-Berlin, der die Mühe der Reise nicht gescheut hatte, die letzten Vorgänge aus dem Vereinsleben. Er suchte das Eintreten des Central-Vereins für den sozialdemokratischen Reichstagskandidaten in Eschwege-Schmalkalden durch die Politik des kleineren Nebels zu rechtfertigen. An der Vereinslosung: „Stets gegen den Antisemiten" muffe nicht nur vom Standpunkte des Judentums, sondern vor allem auch im Jntereffe des deutschen Vaterlandes festgehalten werden. Nachdem der Redner mit erfreulicher Schärfe die schwächliche Haltung der freisinnigen Dolkspartei in Eschwege-Schmalkalden verurteilt hatte, ging er auf die drohenden Schächtverbote ein und erklärte, daß die Leitung des Central- Vereins nichts unversucht lasse, um diesen antisemitischen Eingriffen emgegenzutreten. Der Verein werde in denjenigen Gemeinden, in welchen eine antisemitische Verwaltung unter der Maske des Tierschutzes ein Schächtverbot durchgesetzt hat, die Einrichtung eigener Schlachthäuser veranlassen und mit Hilfe der ihm zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellten Mitte! fördern. Der Referent sprach hierauf von der Möglichkeit einer gemeinsamen Arbeit des Central-Vereins mit den Zionisten. Mit einer strengen Verurteilung des Renegatentums, in der er vor allem seinem Abscheu vor dem moderngewordenen Kindertaufen energischen Ausdruck verlieh, schloß er seine wiederholt von lautem Beifall unterbrochenen Darlegungen. Nach ihm glaubte Herr Or. Kalmus den von Herrn I>. Seligmann erwähnten, aber nicht bekämpften Zionismus verteidigen zu müssen und pries ihn unter dem lauten Protest der Versammlung als das letzte Rettungsmittel für das moderne Judentum. Herr I>r. Seligmann, vor allem aber Herr Rechtsanwalt Pr. Waldstein, ließen diese Behauptung nicht unwidersprochen. Als aber Herr Stark, der bekannte, erst beim Schluffe des Seligmarur scheu Vortrages in die Versammlung gekommen zu sein, trotzdem diesen nicht gehörten Vortrag vom zionistischen Standpunkte als „pappigen Milchbrei" bezeichnete, war allerdings die Geduld der Versammlung erschöpft, und die gebührende Abfertigung, welche Herr Pr. Horwitz dem Redner zu teil werden ließ, wurde allgemein dankbar begrüßt. Er schloß die Versammlung mit einem warmen Appell an alle Parteien des Judentums der großen Gefahr gegenüber Einigkeit zu beweisen. Der Vereinsabend hat der Sache des Central-Vereins eine große Anzahl neuer Freunde zugeführt und die bisherigen Mitglieder in ihrem Vertrauen zu unserer Sache wesentlich gefestigt.