Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Prenzlau
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 299 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316720--12455-2333347- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Korrespondenzen. 299 :• Prenzlau, 3. Mai. Heber die öffentliche Stadtverordneten- Versammlung am 20. v. Mts. berichtet der „Hckermärkische Courier": „Gegen den Antrag des Magistrats auf Erlaß eines Schächtverbots waren Eingaben von der hiesigen Schlächter-Innung und von dem Vorstand der SoAagogen-Gemeinde gemacht worden. Nach lebhafter Debatte, in der sämtliche Redner sich gegen den Erlaß eines Schächtverbots aussprachen, wurde einstimmig beschlossen: die Petitionen dem Magistrat vorzulegen und denselben zu ersuchen, bei der Umgestaltung der Schlachthausordnung die für das Fortbestehen der Schlachtmethode durch Schächten angeführten Gründe in wohlwollende Erwägung zu ziehen und die Ausnahmebestimmung des rituellen Schächterns fortbesteben zu lassen." ± Görlitz, 2. April. Im Saale zum „Englischen Garten" hat am 9. v. M. eine gut besuchte Central-Vereins-Versammlung stattgefunden. Der Vorsitzende, Herr Justizrat vr. Hoeniger, hieß in einleitenden Worten Mitglieder und Gäste, sowie die den Vorstand vertretenden Herren Rechtsanwalt Dr. Lövinson und I)r. me<i Wiesenthal aus Berlin herzlich willkommen: er wies auf die Erfolge hin, die der Central-Verein durch rastloses Wirken errungen habe. Nur, wenn der größte Teil der Glaubensgenoffen geschloffen den Kampf gegen den Antisemitismus aufnehme, werde es gelingen, dieser Krankheit Herr zu werden und den Juden die gesellschaftliche und staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu erkämpfen. — Darauf hielt Herr Rechtsanwalt vr. Lövinson einen Dortrag über die politischen Kämpfe und den Central-Verein. Der Vortragende nahm Stellung zu den verschiedenen politischen Strömungen in unserm Daterlande und ermahnte die Juden, nicht ihres Glaubens wegen zurückzustehen in der Betätigung staatsbürgerlicher Rechte und Pflichten, besonders bei den Wahlen. In lichtvoller Weise kennzeichnete der Redner die Aufgaben, welche in unserer bewegten Zeit von den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens zu lösen sind, deren Zusammenfassung im Central- Vereine wesentlich dazu dient, echte Vaterlandsliebe und Glaubenstreue, Charakterfestigkeit und Selbstzucht zu stärken und zu verbreiten. Wenn wir uns im Central-Verein als deutsche Juden fester an einander schließen, um unsere staatsbürgerlichen Rechte zu verteidigen, unserer religiösen Heberzeugung treu zu bleiben, unsere religiösen Einrichtungen vor gehässigen Angriffen zu schützen, so dürfen wir uns deshalb nicht loslösen von unseren andersgläubigen Mitbürgern. Wir stehen zu ihnen jederzeit, wenn es gilt, allgemeine Kulturarbeit zu verrichten, humane Zwecke zu fördern und für die Sicherheit, Freiheit und Wohlfahrt des Vaterlandes zu wirken und