Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Wien
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 239 (sequence 2)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 239 Einwohner gegeben, die Regierung aber gegen die Exzedentcn Militär aufgeboten und strenge Vorkehrungen zur Verhütung weiterer Unruhen getroffen habe. Das antisemitische Wiener „Deutsche VolkeblaLL" Verganis bemerkt zu dieser Nachricht in perfider Weise: „Natürlich wird auch diesen Mord die Judenpresse vertuschen! Allein ist es nicht im höchsten Grade auffällig, daß alljährlich um die Osterzeit christliche Kinder geschlachtet werden — daß sich die Leichen stets als ausgeblutet erweisen, daß die Volksstimme sofort Juden als die Mörder bezeichnet — diese aber stets „unauffindbar" waren."" — Die „Judenpreffe" hat an solchen Fällen nichts zu vertuschen, wohl aber vertuscht fast bei jeder „mysteriösen" Leichenauffindung die Antisemitenpreffe, daß sich die Ursache des Mordes als eine solche erwiesen hat, die keinen Gedanken an „Ritualmorde" aufkommen läßt! <2^ Vereinsnachrichten. am 15. März d. Js. in Damms Festsälen, Berlin SW., Linden- EÄ straße 105, abgehaltene Versammlung der Gruppe Südwest, wurde von dem Vorsitzenden der Gruppe, Herrn Rechtsanwalt vr. M. Guttsmann, mit einer Ansprache eingelcitet, in welcher die Ereigniffe der letzten Zeit, soweit sie in Beziehungen zur Dereinssache standen, kurz erörtert und auch die beiden Immediateingaben des Justizrats vr. Feige zu Breslau, erwähnt wurden. Sodann erhielt Herr Rechtsanwalt vr. Brodnitz das Wort zu einem Vortrage über „Ethische Fragen aus unserem Vereinsteben". In eindrucksvoller Weise entrollte der Redner ein farbenreiches Bild der jetzigen Lage der deutschen Juden und fand für die nachfolgenden Fragen überzeugende Antworten. „Was hat die antisemitische Bewegung aus uns gemacht? Waö hat sie uns gelehrt? Was hat der Central- Verein dabei geleistet? Was soll er dabei leisten?" Der Vortragende betonte dabei die läuternden Wirkungen einer ungerechten Zurücksetzung auf jede unterdrückte Bevölkerungsminderheit; er schilderte den Reinigungsprozeß, der sich durch die Fahnenflucht charakterschwacher und jeden idealen Gedankens barer unsicherer Kantonisten dabei zu vollziehen Pflegt, und er verwies darauf, daß Kultrri siege hier, wie überall, nicht mit den Massen, sondern nur