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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 237

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Breslau
Date
1904-04-01
Page
237 (sequence 4)
Language
German
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Korrespondenzen. 237 bilden, die den deutschen Juden als solchen zugesügt werden, erst durch den Central-Verein an die große Glocke gebracht und durch denselben unnötig breit getreten werden. Er vertrat im Gegensatz hierzu die Anschauung, cs dürfe kein Unrecht geduldet werden, das uns nur um unseres Glaubens willen zugefügt werde, und es solle tatsächlich der Ausspruch eines Antisemiten zur Wahrheit werden, daß, wenn irgendwo in Deutschland einem Juden (seines Glaubens wegen) „auf die Hühneraugen getreten werde, man in Berlin davon ein großes Geschrei mache". Denn die moderne Politik lehre tausendfach den Grundsatz, wer zu seinem Recht kommen wolle, der müsse schreien, schreien und nochmals schreien. Hierauf zeigte der Vortragende an einzelnen Beispielen, in welcher Weise der Central-Verein seine Aufgabe zu erfüllen suche und in wie manchen Fallen er bereits ein befriedigendes Resultat erzielt habe. Freilich lasse die Lage der Juden im Gegensatz zu den verfassungsmäßig gewährleisteten Rechten tatsächlich noch viel zu wünschen übrig; aber der immer größer werdende Zustrom zu dem Central-Vereine und die dadurch gehobene Autorität desselben läßt hoffen, daß noch in manchen Stücken Abhilfe werde geschaffen werden können. Redner richtete daher an die Anwesenden den dringenden Appell zum Beitritt, indem er gleichzeitig die Mahnung ergehen ließ, nicht provozierend aufzutreten. Man solle sein Recht standhaft vertreten, die Andersgläubigen aber nicht herausfordern durch Lebensweise und Auftreten. Reicher Beifall folgte diesen Ausführungen, an die sich leider mit Rücksicht auf die Polizeistunde die vorgesehene freie Diskussion nicht mehr anschließen konnte. Durch die in der Versammlung erfolgten Anmeldungen neuer Mitglieder ist die Zahl der Stettiner Bereinsmitglieder auf 200 gestiegen. Z Landsberg a. W., 2. April. Wie der „Ostr. Tgsztg." von hier berichtet wurde, hat der 16 Jahr alte Knecht Fab renke am 22. v. Mts. dem 12 Jahr alten Sohn der Schnellschcn Eheleute, der Butter und Eier nach Lipke gedruckt hatte, auf dem Heimwege nach Pollychen auf der Chaussee aufgelauert, ihn in den Wald gelockt, an Händen und Füßen gefeffelt und seine Taschen untersucht. Da er nur das Messer, des Kleinen fand, schnitt er ihn damit tief in die Gurgel, ließ ihn dcm-n liegen und lief davon. Der Knabe konnte trotz feiner Fesseln sich noch weiter schleppen, brach aber endlich zusammen. Der herbeigeeilte Dienstherr des Knechts befreite den Knaben, wobei dieser äußerte: „Euer Knecht." Der Tater wurde alsbald in der Wohnung seiner Eltern verhaftet. Ohne diese rechtzeitige Entdeckung hatte die schändliche Tat des Gurgelabschnciders wieder so kurz vor Ostern den Antisemiten die schönste Gelegenheit

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