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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 200

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Die Juden als Soldaten
Date
1904-04-01
Page
200 (sequence 12)
Language
German
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200 Im deutschen Reich. einzige Blutzeuge für das Pflichtbewußtsein und die Vaterlandsliebe der Juden ist. Er weiß, daß taufende Juden auf dem Felde der Ehre ihr Leben gekästen haben; er weiß, daß Hunderte, die als Soldaten, als Offiziere, als Aerzte die Kriege Preußens und Deutschlands mitgemacht haben, wegen Tapferkeit vor dem Feinde mit Orden und insbesondere mit dem Eisernen Kreuz geschmückt wurden. Wenn nicht nur „der eine" des Herrn Liebermann v. Sonnenberg, sondern hunderte und taufende Juden sich im Felde bewährt haben, wenn die feindliche Kugel so wenig einen Unterschied zwischen Christen und Juden machte, wie der oberste Kriegsherr bei der Verleihung der Auszeichnungen, muß nicht der Kriegsminister wie jeder billig denkende Mann als schreiende Ungerechtigkeit empfinden, daß heute Juden als Soldaten zuröckgesetzt werden um nichts als ihres Glaubens willen?" Die Verhandlungen im deutschen Reichstage und die dabei vo» vielen Volksvertretern gezeigte Haltung berechtigen nicht zu der Hoffnung, daß eine Wandlung nahe bevorsteht. Hat der Kriegsminister wirklich die vorurteilslose Gesinnung, die ihm der Abg. Eickhoff nachgerühmt hat, dann sollte er auch die Festigkeit besitzen, veralteten Vorurteile» entgegenzutreten. Das Triumviat Stöcker, Liebermann und Böckler wird das vorwärtstreibende Rad der Zeit nicht aufhalten; die hinter ihnen stehenden vornehmeren Rückschrittler, die in den Juden weder den Glauben noch di« Raffe, sondern die Intelligenz Haffen und bekämpfen, find auch nicht allmächtig. Wo es eine Pflicht ,ist zu reden, ist es unrecht zu schweigen. Mißbilligt hat der Kriegsminister schriftlich das Vorkommnis in Breslau, aber sein Schweigen bei der Beschimpfung braver Soldaten jüdischen Glaubens ist — wir hoffen» mit Unrecht! — vo« den Judenfeinden in dem Sinne aufgefaht worden: „dadurch tut Liebe sich ja kund, daß sie bewilligt aus freier Gunst, auch was sie nicht gebilligt."

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