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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 172

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Darmstadt
Date
1904-03-01
Page
172 (sequence 2)
Language
German
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172 Im deutschen Reich. der bei der Verlesung der Interpellation den Sitzungssaal verlieh. Herr Joutz zog seinerzeit in der Hochflut der antisemitischen Bewegung in Oberhessen als Antisemit in die Kammern ein, rangiert aber jetzt nach den mannigfachen Wandlungen der antisemitischen Gruppe als fraktionslos. © Mainz, 2. März. Auf der hiesigen Kaiserstraße von einem Schlaganfall getroffen, ist der Inhaber einer weltbekannten Silberwarenfabrik, Kommerzienrat Martin Mayer, unser Vereinsmitglied, am 16. v. Mts. auf der Stelle verstorben. Die Frankfurter „Kleine Presse" schreibt von dem so plötzlich Dahingeschiedenen: „Er war sehr wohltätig, schenkte dem Gutenbergbund bei der Gründung 10 000 Mk. und half auch, das Genesungsheim der Ortökrankenkaffe im Odenwald gründen. Seinem Arbeitspersonal war er ein gütiger Chef. Dem Vorstande der israelitischen Religionsgemeinde gehörte er seit vielen Jahren an." — Das Leichenbegängnis wies eine überaus zahlreiche Beteiligung auf. Von den Behörden folgten dem Sarge die Herren Provmzialdirektor Geheimrat von Gagern, Oberbürgermeister Dr. Gaßner, die Beigeordneten Baurat Kuhn und Haffner, sowie Kreisamtmann Dr. Gaßner. Als Vertreter der Mainzer Handelskammer wohnten dem Trauerakte bei die Herren Geheimrat Stephan Carl Michel, die Herren Stadtverordneten Dr. Rautert und Reis, sowie eine große Anzahl von Vereinsdeputationen, der Turnverein von 1817 mit seiner Fahne, der Vorstand des Mainzer Gewerbevereins, die Freimaurerloge u. a. m. Herr Rabbiner Dr. Saifeld rühmte das Wirken und die Charaktereigenschaften des Verstorbenen, der ein glühender Patriot und echter Deutscher gewesen sei. Herr Justizrat Dr. Feld. Ph. Mayer widmete dem Verstorbenen herzliche Worte des Nachrufs für den Vorstand der israelitischen Gemeinde, Herr Jos. Heiden-Heimer für den israelitischen Waisenverein und Herr Eduard Simon namens des Wanderbettelvereins. Der Trauerakt schloß mit gemeinschaftlichem Gebet. & Wien, 2. März. Wie dem hiesigen Blatt „Zeit" aus Verona berichtet wird, ist dort auf Anordnung des Präfekten die klerikale „Erziehungsanstalt Seghetti" geschloffen worden, weil in der von Nonnen geleiteten Mädchenschule anläßlich , der Karnevalstage ein Theaterstück aufgeführt worden war, indem ein österlicher Ritualmor'o vorkommt. Es handelt sich um.eine literarisch ganz wertlose Komödie von Garagliano, die den Titel „Die falsche Bettlerin" tragt. Wie verlautet, wird über den Vorfall eine Interpellation in der talienischen Ttpulikrünkarmner emgtbracht werden.

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