Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 163 (sequence 2)
- Language
- German
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storresvondenzen. 163 leugnung des antisemitischen Standpunktes. Es waren diese Aeüßerungen für mich Anzeichen, daß doch nicht durchweg yon den Mitgliedern der Antisemitismus als etwas Herrliches angesehen wird und daß wenigstens teilweise Einkehr und sachliches Nachdenken vorhanden. Ich nehme von der Richtigstellung Kenntnis und bekenne ohne Widerstreben, daß ich die Vereine deutscher Studenten doch noch zu günstig eingeschätzt habe, deshalb lehne ich es auch ab, mit ihnen auf sachliche Erörterungen über Mischungen der Raffen einzugehen, weil ich die Erfahrung gemacht, daß sonst ganz scharf und logrsch denkende Menschen sofort geistig verwirrt werden, so bald von Juden die Rede ist?' Don den meisten antisemitischen Blättern ist der nachstehende, der „Staatsbürger-Zeitung" angeblich aus Tübingen'zugegangene Bericht weiter verbreitet worden: „Die hiesige Studentenschaft hat am Sonnabend in einer Vertreterversammlung sämtlicher Satisfaktion gebenden Korporationen den Beschluß gefaßt, keinem Angehörigen einer jüdischen Bewegung mehr Satisfaktion zu geben. Da die Zahl der Juden auf hiesiger Hochschule in letzter Zeit bedeutend zugenommen hat, so daß man dem Entstehen einer jüdischen Verbindung hier entgegensehen konnte, war schon vor einiger Zeit eine Bitte an das Universitätsamt gerichtet worden, eine solche Korporation nicht zu genehmigen. Das Universitätsamt hatte sich aber dahin ausgesprochen, der etwaigen Gründung einer Judenverbindung nichts in den Weg zu legen. Diese Verfügung hat nun die Studenlenschaft bewogen, den Juden selbst einen Riegel vorzuichieben und den genannten Beschluß zu saffen." — Diese Notiz ist unrichtig. Von zuverlässiger Seite wird.uns aus Tübingen berichtet: „I. Die zur Zeit hier studierenden jüdischen Studenten haben kaum jemals daran denken können, an der hiesigen Hochschule eine jüdische Verbindung zu gründen. Jedem, der die hiesigen Derhältniffe kennt, muß dies als selbstverständlich erscheinen. 2. Ob eine Bitte an das UniversiLätsamt gerichtet worden ist, eine solche Korporation nicht zu genehmigen, und welche Antwort ev. hierauf erteilt wurde, war nicht festzustellen. 3. In einer Vertreterversammlung der Satisfaktion gebenden Korporationen hat allerdings die Verbindung Eberhardina, auf Betreiben des Vereins deutscher Studenten die Frage angeregt, wie man sich zu der den Angehörigen jüdischer Verbindungen zu gebenden Satisfaktion stellen wolle. Die Corps und Burschenschaften haben eine Stellungnahme zu dieser Frage a limine abgelehnt, andere Korporationen (wie Palatia, Arminia, Zollern) haben sich dagegen erklärt. Es ist nicht wahr, daß ein Beschluß gefaßt worden