Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Treptow a. R.
- Date
- 1904-02-01
- Page
- 118 (sequence 2)
- Language
- German
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118 Qm deutschen Reich. sich nicht nur für die zurückbleibenden Juden, sondern auch für dir christliche Bevölkerung in fast unglaublicher Weise verschlechtern. Das ist der Fluch des Antisemitismus!) Könitz, 5.. Februar. Die „Ostd. Tageszeitung" schreibt: „Es trifft sich merkwürdig, daß gerade in den Tagen, in denen Herr BLckler, der Reichstags-Abgeordnete für Schlochau-Flatow, in Landes Vorzüge halten will, eine Böckler-Jdee, die von den Ritual- Morden, in dem Hirn einiger Landecker wieder zw spuken anfängt. Als Herr Kantor I. in Landeck, ein in feinem ganzen Wirkungskreise gut beleumundeter Mann, mit den Söhnen des Pferdehändlers B. am Sonntag einen Spaziergang machte, holte ste der Knecht Gustav Poch rin; er grüßte sie, sie dankten, und einige Zeit später kehrten sie um und traten den Heimgang an. Nach einigen Tagen — am 27. Jan. — war bereits in Adl. Landeck (der Heimat Pochs) das Gerücht in Umlauf, I. und die beiden Söhne des B. seien am 23. Januar dem Knechte P. nachgelausen, um ihn zu — — schlachten! Diese blödsinnige Eistndung und noch viel Schlimmeres drang auch nach Landeck selbst; etliche Böcklerianer waren eifrig dahinter her, es weiter zu verbreiten. Herr I. hat gegen Poch, den er für den Urheber des Gerüchts hält, und eine Dienstmagd, die töricht genug war, die dumme Geschichte als glaubhaft weiter zu erzählen, Strafantrag gestellt.' (Herr Böckler ist auch selbst bemüht, die Verdächtigungen gegen die Juden nicht aufhören zu lasten; er hat am 3. d. M. im deutschen Reichstage, leider ohne Widerspruch zu finden, nicht nur äußern dürfen, „daß daS Judentum in seinem Wahlkreise die ganze Gegend auspowert", sondern auch wörtlich zu sagen gewagt: „Könitz hat erst Militär bekommen, als Beunruhigung darüber entstand, daß dort fortgesetzt (?) geheimnisvolle Morde Vorkommen und eö nicht gelingen will, diese Morde aufzuklären." Daß „fortgesetzte geheimnisvolle" Morde in der Konitzer Gegend vorgekommen, ist eine echt Böcklerische Erfindung; daß der Urheber der Ermordung Winters z. Z. noch für die. Behörden ein Geheimnis ist — daran dürsten in erster Linie die Parteigenosten Böcklers schuld sein! □ Grätz (Prov. Posen), 2. Februar. In der am 23. v. M. hier abgehaltenen Stadtverordnetensitzung wurde der Ziegeleibesitzer A. Herzfeld zum 25. Male als Stadtverordneten-Borsteher gewählt. Bürgermeister Howe feierte den Jubilar in längerer Rede. RamenS der Stadtverordnetenverfammlurrg beglückwünschte Postmeister Braun deu Jubilar. Ja den 25 Jahren ist Herr Herzfeld 21 mal einstimmig und viermal fast einstimmig zum Vorsitzenden gewählt worden.