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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 62

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Das Buch des Friedens [Rezension]
Date
1904-01-01
Page
62 (sequence 2)
Language
German
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62 Im deutschen Reich. Untätigkeit den tüchtigen wie ein Schlamm bis an den Hals geht und ihre Tatkraft lähmt. Da ist ein friedlicher Staat nicht denkbar, und nur friedliche Staaten können de'. Weltfrieden sichern. Die Zeit der dynastischen und KabineMkriege P vorüber und damit wohl auch die Zeit der alten Eroberungskriege. Die etwa noch drohenden Kriege sind Rassen- und Jnterestenknege, und deren Elemente birgt der Antisemitismus in seinem unheilvollen Schoß." Eingesandt. Die biederen Versicherungen des Kriegsministers im Landtage, mit aller Strenge gegen Mißhandlungen von Soldaten vorzugehen, haben im Lande einen sehr guten Eindruck gemacht, besonders auch deshalb, weil den Dorten die Tat folgte. Es erscheint daher im gegenwärtigen Momente angebracht, auf die schlimmste Mißhandlung hinzuweisen, welche einem gebildeten Manne widerfahren kann, nämlich die Zurücksetzung gegen Recht und Gerechtigkeit: die seit Jahrzehnten übliche Zurücksetzung der jüdischen Einjährigen bei der Beförderung zum Unteroffizier und der Zulassung zum Offiziersexamen. Hiergegen gab es bisher keine Beschwerde, obgleich in einem Einzelfaüe eine instanzenmäßige Befragung der Vorgesetzten, nach anfänglicher Abweisung, das erwünschte, tcilweije Ergebnis hatte. Nach den weiteren Versicherungen des Kriegsministers, auch bei der Auswahl der Offiziere die Befähigung entscheiden zu lasten, ist anzunebmen, daß er dem bisherigen verfassungswidrigen Treiben ein Ende bereitet dadurch, daß die jüdischen Einjährigen gleich ihren christlichen Kameraden zum Offiziersexamen zugelassen werden. Vorausgesetzt ist hierbei, daß dem Minister der gegenwärtige Zustand zur Kenntnis gebracht wird. Wer das Bayerlein'jche Buch „Jena oder Sedan" gelesen hat, dem wird es ohne weiteres klar, warum manche gebildete Juden Sozialdemokraten sind: Wer an sich selbst diese moralische Mißhandlung der Zurücksetzung und den Rechtsbmch begangen sieht — denn auch die Stellung des Reserveoffiziers ist versasiungsmäßig ein allen Bürgern zugängliches Staatsamt — bei dem ist es erklärlich, wenn auch nicht entschuldbar, wenn er sich selbst auf verfastungsfeindlichen Boden stellt. Auch der

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