Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Z. S., Osterode
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 57 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion- 57 feit und Hoheit einzig, seine noch unvollendete Führung das größte Poem aller Zeiten sei. Selbst in seiner „Adrastea" sagt er, wo er für „die Bekehrung der Juden" eintritt", daß es der Europäer Pflicht sei, „diejenigen, die durch sie ehrlos wurden, der Ehre wieder fähig zu machen." Wo er sich mißfällig über die Juden ausfpricht, ist das Motiv unverkennbar dasselbe wie bei ähnlichen weit zornigeren Aeußerungen Luthers, die Erkenntnis der Schwierigkeit, vielleicht sogar der Unmöglichkeit, charakterfeste, mit ihrem Glauben genau vertraute Juden zum Christentum zu bekehren. Wenn die antisemitischen Nationalisten bei dem hundertjährigen Todestage Herders den Versuch machten, diesen Dichter zu ihrem Eideshelfer zu stempeln, ein unverdientes Mißgeschick, das auch noch andern großen Toten widerfahren ist, weil sie sich dagegen nicht wehren konnten, so kann uns dies kalt lasten. Wir wollen aber nicht in denselben Fehler verfallen und große Männer, die in vereinzelten Aussprüchen dem Judentum gerecht geworden sind und die Unterdrückung der Juden getadelt haben, bei jeder Gelegenheit verherrlichen und als unsere Parteigenossen reklamieren. Wenn sie der Wahrheit die Ehre gegeben haben, so haben sie sich geehrt; die deutschen Juden haben sich seit den Zeiten Luthers und Herders bedeutend weiter entwickelt und heut nach Jahrzehnten bürgerlicher Freiheit als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens verdienen ste volle Achtung und brauchen sich an keiner Beurteilung zu erbauen, welche ihre im Ghetto eingepferchten unglücklichen Vorfahren schon als eine wunderbar vorurteilslose und wohlwollende zu preisen Grund hatten. R. S., Dresden. Wenn die „Staatsbürger-Zeitung" am 8. Dezember unter der Ueberschrift „Christenmädchen in Judenhäusern" über zwei Fälle berichtete, von denen der eine Dr. Hagenow in Hamburg, der andere den Dresdener Frauenarzt vr. Paul Planer betraf, konnte es dem Antisemitenblatt kaum zweifelhaft sein, daß der letzgenannte weder Jude ist, noch von Juden stammt. Es entspricht aber der Taktik dieses Blattes, jeden zum Juden zu machen, dem es etwas anhängen zu können glaubt. Bezüglich des vr. Hagenow sind Sie aber im Irrtum; derselbe ist zwar als Jude geboren, aber man soll, wie uns aus Hamburg berichtet wird, von seiner Zugehörigkeit zum Judentum seit Jahren wenig mehr bemerkt haben. Die Angabe der „Staatsbürger-Zeitung", daß er bis vor kurzem am jüdischen Krankenhaus amtiert habe, ist vollständig unrichtig; diesen Posten hat er bereits vor etwa 25 Jahren verlassen. E. F., Chemnitz. Daß in der sächsischen Zweiten Kammer der konservative Abg. Schubert-Enba in seiner Etatsrede die Aeußerung