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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 56

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
M. G., Posen
Date
1904-01-01
Page
56 (sequence 2)
Language
German
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56 Im deutschen Reich. aus Paris berichtet: „Auf einem Ballfest, welches die Pariser Zionisten in der Salle Charras veranstalteten, gab ein junger Mann zwei Revolverschüsse auf Max Nordau ab. Einer der Anwesenden packte den Attentäter rechtzeitia beim Arm und lenkte die Kugeln ab. Trotzdem wurde ein Ballgast am linken Bein leicht verwundet. Der Attentäter, der sofort zur Polizeiwache geführt wurde, nannte sich Chaim Selig Luban. Er ist ein russischer Student und nach seiner Aussage von einem Co.mitö dazu bestimmt, den „Verräter" Nordau zu töten, weil er auf dem letzten Zionistenkongreß, entgegen dem zionistischen Programm, für das sog. Ostafrikaprojekt eingetreten war." Z. S., Osterode. Der „Herders-Artikel im Graudenzer „Geselligen" liefert allerdings kein getreues Bild von dem Wesen und Wirken des großen Schriftstellers, den der Derfafler nach Antisemitenart dadurch zu seinem Parteigenosien zu stempeln sucht, daß er einzelne aus dem Zusammenhang geriffcne Sätze aus Herders Schriften zusammenstellt, um ihn zu einem Gegner jeder „judaisierenden Fassung" zu stempeln. Daß Herder mit jenen Sätzen nicht das Judentum oder die Juden angreifen wollte, geht aus dem Zusammenhang hervor, indem dort von einer „judaisierenden Richtung im Christentum" und von der Judensprache des „Hellenismus" die Rede ist. Abw selbst jene „judaisierende Richtung" hat gerade Herder durch sein monumentales Werk: „Vom Geiste der ebräischen Poesie" mächtig gefördert, und auch dem Hellenismus ist er, wie seine Begeisterung für Mendelssohns „Phädon" beweist, lange Zeit hindurch keineswegs abhold gewesen. Erft viel später hat er wohl unter dem Einfluß der politischen Ereignisse dem Germanentum das Wort geredet und in seiner Schrift „Vom Geiste des Christentums" die Forderung aufgestellt, daß jedes Volk „die Lehre Christi national entwickeln solle". Mit Herders Stellung zum Judentum verhält es sich genau so wie mit derjenigen Luthers, der in der Jugend und im kräftigen Mannesalter für das Alte Testament die größte Begeisterung empfand und verbreitete, und für die Bekenner des Alten Testaments Duldung und Ehrung forderte, in den letzten Lebensjahren aber die Juden scharf bekämpfte. So hat auch Herder in seiner Schrift „Vom Geist der ebräischen Poesie" betont, daß das Christentum aus dem Judentum hervorgegangen fei, daß das Verständnis des „Neuen Testaments" das Verständnis des Alten Testaments zur Voraussetzung habe. Er hat in den „Ideen zur Geschichte und Philosophie der Menschheit" erklärt, daß nur eine barbarische Verfassung die 'Juden daran gehindert habe, nach europäischen Gesetzen zu leben und zum Nutzen des Staates bekzutragen, daß Israel in Fehlern und Vorzügen, in seiner Niedrig-

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