Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- E. J., Berlin
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 55 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316716--12037-2332792- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briefkasten der Redaktion. 55 Freude aller Knaben." — Was übrigens die Acußerung der „Staatsbürger-Zeitung" über die sonderbare Polizei-Verfügung in Eberswalde betrifft, durch welche die Verteilung von antisemitischen Weihnachts-Flugblättern verboten wurde, so ist diese völlig unzutreffend. Ganz abgesehen davon, dah es noch sehr fraglich ist, .ob der Inhalt jener Flugblätter in keiner Beziehung gegen die Vorschriften des Preßgcfetzes verstößt", hatte das „Stadtoberhaupt von Eberswalde" das Recht, das Vertreiben jener Flugblätter auf den Straßen aus verkehrspolizeilichen Gründen zu verbieten. Wie uns von glaubwürdigster Seite versichert wurde, ist auch in Berlin aus denselben Gründen eine solche Verteilung diesmal nicht gestattet sondern verhindert worden — wo die Schutzleute die betreffenden Kolporteure zu Gesicht bekamen. B» R., Berlin. Aus Anlaß der Erörterung einer etwaigen Erhöhung der Schifffahrtsabgaben wurde von dem „Vorwärts" daran erinnert, daß im Mittelalter in der Nähe des Schlosses Rheinstern von den vorbeifahrenden Schiffen eine Schiffsahrtsabgabe und außerdem ein Zoll von dem dortigen Landstraßenverkehr erhoben wurde, anfangs ausschließlich von den vorbeikommcnden Juden. Um die zollpflichtigen Juden ausftndig zu machen, bediente man sich, wie im sozialdemokratischen „Vorwärts" zu lesen war, kleiner, auf den Geruch abgerichteter Hunde. Eigentümlicher Weise bemerkte zu dieser Mitteilung die „Staatsbürger-Zeitung": „Es wäre durchaus nicht nur von theoretischem Interesse, Näheres über die Eigenart dieser Hunde und darüber zu hören, ob es heute noch solche Hunde gibt." — Darüber sollte doch ein Blatt nicht im Zweifel sein, das sich selbst systematisch auf das „Ausspüren von Juden" und „Judensprößlingen" verlegt, sogar an eine Philippika gegen ein ärztliches Experiment an einem Schimpansen eine Untersuchung über den Stammbaum der christlichen Professoren Neisser und Lassar anknüpft! O. €>., Berlin. Wegen der riesigen Unterschlagungen in der Wenzels-Dorschußkasse in Prag sind die Direktoren Pater Drozd und Kohut zu je 7 Jahren, der Kassirer Hernik zu 2 Jahren, der Rcchnungsführer Peltelrüder zu Monaten schweren Kerkers und Schadenersatz verurteilt worden. Bezeichnend war, daß Pater Drozd in der Gerichtsverhandlung auf die Frage des Vorsitzenden, weshalb die St. Wenzelskaffc nicht dem allgemeinen Sparkaffenverbande beigetreten sei? die Antwort gab: „Wir sind ein katholisches Institut, und es ist nicht nötig, daß jeder Jude uns in die Bücher schaut." M. G., Posen. Wir haben über das sonderbare Vorkommnis kune direkten Mittrjlungen erhalten. Der „Jüdischen Presse" wird