Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- M. B. Chaux de fonds
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 44 (sequence 2)
- Language
- German
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44 Im deutschen Reichaufgelöst wurde und Moses Le'vy sein Amt der Finanzverwaltung übergab, lieferte er seine Kasse dem französischen Kontroleur aus, der nach sorgfältiger Prüfung ihm den richtigen Empfang bescheinigte. Nach Beendigung dieser Förmlichkeit fragte Lövy den Kontroleur: „Verlangen Sie nichts weiter von mir und ist meine Kassenführung vollständig in Ordnung?" „Vollständig", antwortete der Beamte. „Dann gestatten Sie mir", entgegnete Levy, „Ihnen mit 100000 Frcs., die Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sind, ein Geschenk zu machen. Das Geschenk mache ich eigentlich nicht Ihnen, sondern der Staatsfchuldenkasse." Und nun setzte Levy dem sehr erstaunten Kontroleur auseinander, daß er dadurch, daß er das Goldagio für die Louisdors der Piasterwährung gegenüber habe ausnützen können, während seiner Amtsführung 100 000 Francs gewonnen habe. Diese Handlung war um so verdienstlicher, als Moses Lövy während der Okkupations-Dauer durch den vollständigen Zusammenbruch eines tunesischen Bankhauses selbst vollständig verarmt war.;!; Wien, 2. Januar. Wie die Monatsschrist der „Oesterreich. Israel. Union" berichtet, hatte der Erkenntnis-Senat des Wiener Landgerichts unter dem Vorschläge des Hofrats vr. Feig! am 2ä. November v. Js. über den Einspruch der Münchener Finna Osterrieder gegen die Wiener Beschlagnahme der von ihr verbreiteten Ritualmord-Postkarten zu entscheiden. Staatsanwalt Dr. Dobies bekämpfte den Einspruch und sagte, daß es sich im vorliegenden Falle um eine tendenziöse Darstellung handle. Die Verbreitung sei nicht um der Kunst willen erfolgt. Dies erhelle schon aus dem Prospekt, in dem es unter anderem heißt: „Diese Angelegenheit ist für unsere Zeit interessant." Der Gerichtshof wies den Einspruch ab. Der Vorsitzende führte in der Begründung aus, daß es sich hier nur um eine gegen das Judentum gerichtete tendenziöse Darstellung handle. Ein Kunstwerk werde auch nicht in solchem Maaße verbreitet. Es sei notorisch, daß in letzten Jahren die Ritualmord-Agitation auch einen Rückschlag gegen die israelitische Religionsgenossenschaft ausgeübt habe, daß demnach die Osterriedcrsche Propagierung gegen die Juden aufzureizen geeignet sei. — Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft hat die „Tiroler Post" vom 28. November d. Zs. wegen des Leitartikels „Antisemitisch oder nicht?", welcher das Vergehen nach § 302 Str.-G. begründete, mit Beschlag belegt. Die „Tiroler Post" stimmt darob eine herzbewegende Klage an. D London» 2. Januar. Als Leibarzt des zum bevollmächtigten Minister ernannten bisherigen Agenten am Hofe des Negus Menelik,- Sir John Harrington, und zugleich als Mitglied der britischen