Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Pankow
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 38 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316716--12000-2332775- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
38 Im deutschen Reich. oa Pankow, 1. Januar. Der „Verein Lchrlingsheim Pankow"' läßt es sich angelegen sein, mit der Heranbildung tüchtiger Handwerker in dem Augenblick zu beginnen, in welchem die Knaben die Schule verlassen und zur Erlernung eines Handwerks in die Lehre treten. Er verfolgt nicht nur den besonderen Zweck der Kräftigung und Festigung des Judentums, sondern ist auch bestrebt, unseren Mitbürgern anderen Glaubens darzutun, daß im Handwerkerstände wie in allen anderen Berufszweigen der Jude nicht minder Tüchtiges leistet als der Anders-. gläubige. Don diesem Geiste hat die Feier des Chanucka-Festes am 13. v. Mts. in dem Lehrlingsheim, zu der sich eine größere Anzahl früherer Zöglinge derselben eingefunden hatte, beredtes Zeugnis abgelegt. In der Aula lagen auf gedeckten Tischen praktische Geschenke ausgebreitet, und erwartungsvoll harrte die jugendliche Schar der Anstaltszöglinge der Feier, welche Herr Direktor Wilinski mit Gebet und dem Anzünden der Chanucka-Lichter eröffnete. Dann ertönte weihevoll das von allen Anwesenden mitgesnngene hebräische Weihelicd des Lichterfestes. Nachdem die letzte Strophe verklungen war. trat ein Kurator des Instituts an das Rednerpult und hielt, anknüpfend an den Satz: „Sei, was du gern scheinst", eine ebenso herzliche als eindringliche Ansprache an die Anstalts-Zöglinge, die von den in der Rede enthaltenen ernsten Ermahnungen sichtlich ergriffen wurden. Mit der Verteilung der Chanucka-Geschenke schloß die Feier, deren Teilnehmer auch durch die von ihnen mit lebhaftem Interesse besichtigten praktischen Einrichtungen des Lehrlingshcims sämtlich den Eindruck gewonnen haben, daß hier ein segensreiches Werk gedeiht, d.;s noch eine weit größere Förderung als bisher durch unsere Glaubensgenossen verdient, weil es dazu beiträgt, der jüdischen Jugend Freude an dem Handwerk einzuflößen und gehässige Vorurteile wesentlich zu vermindern. Quedlinburg, 3. Januar. Von der Stadtverordneten- Dersammlung ist hier am 15. v. M. ein beantragtes Schächtverbot abgelehnt, aber eine mäßige Einschränkung des Schächtens beschlossen worden. Die israelitische Kultusgemeinde soll im Einvernehmen mit der Schlachthofverwaltung Einrichtung treffen, daß das Wersen der Tiere ohne Quälerei vor sich geht, außerdem aber das Recht haben, für ihren Fleischbedarf monatlich 8 Ochsen oder Rinder, sowie 10 Kälber schachten zu lassen. Wenn ein geschlachtetes Stück nicht dem ritualmäßigen Forderungen entspricht, darf stets dafür ein anderes Tier geschachtet werden. or Efseu, 1. Januar. Am Sonnabend, den 28. November v. Js., fand Hierselbst die Gründung einer Ortsgruppe des Central-