Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Grober Unfug in der Wohltätigkeitspflege
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 753 (sequence 2)
- Language
- German
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Eingesandt. 753 ein Herr L. einen (interkonfessionellen) Aufruf mit nahezu 300 Unterschriften. Augenblicklich dürfte den Rekord ein interkonfessioneller Aufruf, veranstaltet durch C. G., halten. Seine mehr als 750 betragenden Unterschriften nehmen sieben volle Druckseiten ein und dieser Aufruf wird versendet mit dem Ersuchen, — ihm die Unterschrift beizufügen! Es wäre wünschenswert, daß wenigstens in der jüdischen Wohltätigkeitspflege mit dieser eigentlich durchaus unjüdischen Sitte gebrochen wird. Sie bedeutet ein stillschweigendes Eingeständnis, daß man zu den Mitteln geschäftlicher Konkurrenz greift, um bei dem Nebeneinanderbestehen so vieler Vereine die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Derartige Aufrufe erfordern viel Arbeit und Kosten und können niemals durch Vereine geleistet werden, bei denen lediglich im Ehrenamt gearbeitet wird. Sie führen daher schließlich daß mehr und mehr die Tätigkeit im Ehrenamt durch die weit kostspieligere der bezahlten Sekretariate ersetzt wird. —Diesen Sekretariaten, welche nicht durch anderweitige bürgerliche Beschäftigung in Anspruch genommen sind und daher genügende Muße besitzen, wird es niemals schwerfallen, von einer großen Anzahl wohlmeinender oder eitler Honorationen die Unterschriften zu beschaffen und dadurch auf die Gedankenlosen zu wirken. 0. Den Reremsmitgliedern geht diese Zeitschrift unentgeltlich pt. Morrnemeimpreir für Nicftm^inriNttgNeüeir pro Mr r Ittars. Preis Ser kinrelmmmer: so Pfennig. Redaktions-Bureau des Eeutral-VereiuS deutscher Staatsbürger Mischsn Glaubens: Berlin NW., Karl-Straße 27 M, Quergebäude. Fernsprecher Amt Hl, Nr. 5767. Für die Redaktion verantwortlich: Älphonse Levy, Berlin. Druck von Haasenstein & Bögler, A. G., Berlin W. 8.