Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- R. L., Berlin
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 748 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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748 Im deutschen Reich. Scherl'sche Volksabstimmung kann für jeden reichen Juden nur das eine Ziel haben: „Kahn, Lazarus, Holländer sind die größten drei Komponisten der Gegenwart". — In der Musikgeschichte scheint Hans von Mosch sehr schwach zu sein, sonst wüßte er, daß das Judentum auch sonst noch an musikalischen Größen keinen Mangel hat und die „Gassenhauer" ruhig dem „Antisemitismus der Gasse" überlassen kann. R. K., Berlin. Wegen tätlicher Beleidigung wurde nach einem Berichte der „Staatsbürger-Ztg." kürzlich ein jüdischer Fabrikbesitzer in Wilmersdorf, der sich gegen sein Dienstmädchen vergangen hatte, von dem Berliner Schöffengericht II zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Darüber ist nichts weiter zu sagen; in solchen Fällen ist eine exemplarische Strafe am Platze. Sehr deplaciert ist aber die Ueberschrift jenes Berichts „ Christliche Dienstboten in jüdischen Häusern"; denn der erwähnte Vorgang ist ein seltener Ausnahmefall; in der Regel haben es die Dienstboten in jüdischen Familien so gut, daß christliche Hausfrauen solche „verwöhnten" Dienstboten ungern aufnehmen. Warum warnt aber nach den bekannten Vorgängen im Kloxiner Pfarrhause das um das Wohl der christlichen Dienstboten so besorgte Antisemitenblatt nicht vor den Diensten bei gewissen Antisemiten? Da wäre solche Warnung besser am Platze! O. R., Berlin. Wie verschiedene Blätter berichteten, sollen kürzlich in den Straßen Berlins Reklame-Zettel verteilt worden sein, in deren Text die Worte Gräfin Kwilecka verurteilt und zu zehn Jahren mit fetten Lettern gedruckt, im übrigen aber die Waren eines Schuhhauses empfohlen wurden. Daß solche Reklame- Zettel widerwärtig sind und ihre Verteilung an groben Unfug streift, ist fast zweifellos; wenn aber die Antisemitenpresse die Inhaber der Schuhmachersirma als Juden bezeichnet, ist die Richtigkeit dieser Behauptung sehr zu bezweifeln, da sie nicht anstehen würde, die Firma und ihre Inhaber zu nennen, wenn sie nicht genau wüßte, daß die betreffenden — eben keine Juden sind. K. P., Breslau. Der unter der Ueberschrift „Jüdisches' Denunziantentum" in dem Antisemiten-Moniteur besprochene Fall, in welchem ein Posener Lehrer sich wegen antisemitischer Aeußerungen im Geschichtsunterricht zu rechtfertigen hatte, hat uns nicht' beschäftigt. Wie wir erst nachträglich erfahren haben, hatte der betreffende Bürgerschullehrer im Geschichtsunterricht über die Phönizier und Juden eine Aeußerung getan, welche ein anwesender jüdischer Schüler als verletzend für seine Glaubensgenossen ausgefaßt und zu Hause wiedererzählt hat. Dies kam zur Kenntnis des betreffenden