Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 736 (sequence 2)
- Language
- German
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786 Im deutschen Reich. selliger Art werden an den beiden folgenden Tagen geboten werden. Da die Adressen mancher der ehemaligen Schüler trotz eifriger Bemühungen des Adreffen-Ausschuffes bisher nicht zu ermitteln waren, so werden diejenigen früheren Zöglinge des Philanthropins, denen aus diesem Grunde bisher eine direkte Mitteilung über das Jubiläum nicht zugekommen ist, gebeten, ihre genauen Adressen an Herrn Direktor Dr. Adler, Frankfurt a. M., Rechneigrabenstr. 16 zu senden. co Dresden, 1. Dezember. Ueber die aus dem hiesigen israelitischen Friedhofe erfolgte Beerdigung des im kräftigsten Mannesalter plötzlich verstorbenen Landgerichtsrates Johannes Meyvr brachte der „Dresdener Anzeiger" (Amtsblatt des Magistrats) einen längeren Bericht, in dem es heißt: „Der Verstorbene gehörte feit einer langen Reche von Jahren dem Königlichen Landgerichte zu Dresden als Richter an. Er war meist, häufig auch als Vorsitzender von Strafkammern, in Strafsachen tätig und erfreute sich wegen seiner beruflichen Tüchtigkeit und vorzüglichen Charaktereigenschaften allgemeiner Wertschätzung und Beliedtheit. Auch für gemeinnützige und wohltätige Zwecke hatte er jederzeit offenes Herz und offene Hand. Vor wenigen Wochen wurde er zum Schwurgerichtspräfidenten für die nächste Schwurgerichtsperiode in Chemnitz ernannt. Als er sich zur Vorbereitung für diese Tätigkeit nach Chemnitz begeben hatte, ereilte ihn dort im Hotel, fern von den Seinen, plötzlich und unerwartet ein einsamer Tod infolge Schlagflusfes. Die Beerdigung des schon im 52. Jahre seines schaffensreichen Lebens Heimgegangenen fand unter außerordentlich großer Teilnahme von Freunden und Berufsgenosfen statt. Besonders wohnten ihr viele Mitglieder der hiesigen Gerichte und anderer Behörden und Rechtsanwälte bei. An der Bahre sprachen nach dem Geistlichen, Herrn Rabbiner Dr. Winter, der die Pflichttreue und strenge Rechtlichkeit des Verstorbenen pries, Herr Geheimer Medizinalrat Dr. Erd mann namens der Großen Landesloge zu Sachsen und Herr Geheimer Baurat Waldow namens der St. Johannes-Loge zum goldenen Apfel." — Der Verstorbene, in dem der Vorstand der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde ein unermüdlich tätiges Mitglied, der Mendelssohn-Verein feinen Vorsitzenden, zahlreiche jüdische und christliche wohltätige Vereine ein stets hilfsbereites Mitglied betrauern, war der einzige, hoffentlich nicht der letzte jüdische Richter in Sachsen. Seine tadellose Amtsführung, welche durch Verleihung des Albrechtsordens I. Klasse anerkannt wurde, war immer dazu angetan, das antisemitische Vorurteil gegen jüdische Richter glänzend zu widerlegen.